Zu (einem Text über) Hochbegabung

Ich muss vorausschicken, dass ich es als Lehrer oft mit Jugendlichen zu tun haben, welche hochbegabt sind. Während ich bei einigen Kollegen (meist Männern) erlebe, dass sie an diese Jugendlichen höhere Erwartungen an ihre schulischen Leistungen stellen (schließlich sind sie ja »hochbegabt«), frage ich bei Eltern und Jugendlichen immer nach, wie sich das konkret auswirke, welche Bedürfnisse sich daraus ergeben. Mir ist völlig klar, dass es sich hier um eine psychologische Diagnose handelt, die erstens auf einer unklaren Begrifflichkeit fusst (man lese nur die Definition im Wikipedia-Artikel), zweitens auf einen Kontext Bezug nimmt: Fragen und Unsicherheit von Eltern, von Jugendlichen, von Lehrpersonen; soziale Schwierigkeiten, schulische, emotionale.

Eine Definition von Hochbegabung: Zu den 2,2% mit höchstem IQ gehören, d.h. heute >130.

Eine Definition von Hochbegabung: Zu den 2,2% mit höchstem IQ gehören, d.h. heute >130.

Der Begriff »hochbegabt« bedeutet dann zunächst etwas, was für mich als Pädagogen selbstverständlich ist: Verhaltensweisen, die nicht der Norm entsprechen, können den betroffenen Jugendlichen nicht im Sinne einer persönlichen Verantwortung angelastet werden, sondern lassen sich mit biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren erklären. Für vieles, was wir tun, können wir nicht verantwortlich gemacht werden.

Ich denke, ich bin selber hochbegabt. In meiner Kindheit und Jugend fühlte ich mich oft unverstanden und alleine; in der Schule war ich konstant unterfordert. Aber ich hatte Glück: Mir gelang es, meine Interessen immer wieder produktiv zu machen, ich konnte belastbare Beziehungen knüpfen und litt nie überaus stark an den Auswirkungen der – nicht durch Fachleute diagnostizierten – Hochbegabung.

Aber ich würde nie von mir auf andere schließen: Genau so wenig, wie ich aus der Erfahrung, depressive Phasen überwinden zu können, darauf schließen würde, depressive Menschen könnten ihre Krankheit aus eigenem Antrieb überwinden, würde ich argumentieren, dass Hochbegabte soziale und psychische Probleme aus eigener Kraft vermeiden könnten. Es ist wichtig, dass sie unterstützt und begleitet werden und die Gesellschaft und Bildung für die Auswirkungen von Hochbegabung sensibilisiert werden.

* * *

Gleichwohl habe ich mich gestern über Meike Lobos Text »Alien Nation« geärgert. Weshalb, war mir zunächst nicht klar. Nun habe ich darüber nachgedacht und versuche es zu formulieren.

Der erste Grund sind wohl diese Fragen:

Warum darf jeder Spaten an der Schwachsinnsgrenze glücklich werden und ich nicht? Warum hat jedes hohle Tittenmäuschen 7 beste Freundinnen und ich nicht eine? Warum finden die seichten Idioten 20 Gesprächspartner und ich ernte nur verständnislose Blicke, wenn ich aufzähle, was mich interessiert?

Wer darüber schreibt, dass es in der Diskussion über Intelligenz an Präzision und Respekt fehle und dass Hochbegabung nicht bedeute, Menschen seien »toller« als andere, dann dürfte man wohl nicht von »Spaten«, »Tittenmäuschen« und »Idioten« sprechen. Respekt verdienen alle.

Der zweite Grund wäre dann dem Text zugrundeliegende Hoffnung, durch eine Theorie der Hochbegabung eine Reihe von Störungen erklären zu können:

Hochbegabung bringt außerdem oft unangenehme Freunde mit, wie z.B. ADHS, Hypersensibilität, bipolare Störungen und einen fatalen Hang zu Selbstmorden.

Natürlich stimmt das: Das Auftreten von Hochbegabung steht in einer Korrelation zu diesen Krankheitsbildern oder Störungen. Aber das hilft den Menschen nicht weiter, die beispielsweise an bipolaren Störungen leiden. Zu sagen: Einige davon sind hochbegabt – was macht das mit den anderen? Die sind genau so wenig dafür verantwortlich, dass sie an einer Störung leiden. Und während das eine wissenschaftlich weiterführende Erkenntnis sein mag, dass Intelligenz mit bipolaren Störungen zusammenhängt, scheint mir die Wirkung entsprechender Diagnosen – Meike Lobo fordert, dass Psychologinnen und Psychologen bei diesen Störungsbildern routinemäßig auf Hochbegabung testen müssten – trügerisch: Das Ziel muss sein, dass Menschen sich nicht schuldig fühlen, wenn sie krank sind; und ihnen nicht suggeriert wird, sie könnten für Störungen die Verantwortung übernehmen.

Deshalb irritiert mich drittens die Forderung nach einem Label, das so verwendet werden kann, wie »Ich bin aus Deutschland«. Gerade dieses Beispiel zeigt ja, wie Label funktionieren: Sie sind gekoppelt mit falschen Vorstellungen, Vorurteilen und Wertungen. Wer auf der Welt sagt, »Ich bin aus Deutschland«, wird anders wahrgenommen, wie jemand, die sagt: »Ich bin aus der Schweiz«. Und dafür gibt es keinen vernünftigen Grund.

Label führen dazu, dass Unterschiede negiert werden. Nicht alle Hochbegabten sind gleich. Nicht alle Autistinnen und Autisten sind gleich. Und nicht alle Deutschen sind gleich.

Ich bin mit Meike Lobo einverstanden: Betroffene sollen sich nicht alleine fühlen. Sie müssen präzise beschreiben und verstehen, was ihnen zu schaffen macht. Sie müssen sich in der Gesellschaft sicher und wohl fühlen.

Aber meiner Meinung hilft ein Label nicht weiter. Entscheidend ist, dass Menschen als Individuen wahrgenommen werden und nicht als Vertreterinnen und Vertreter abstrakter Gruppen. »Ah, hochbegabt! In diesem Fall bipolar und suizidal, oder?« Andere Hochbegabte, so heißt es im Text, seien »kleingeistige Pisser, zerfressen von eitlen Befindlichkeiten«. Gehören diese Verhaltensweisen vielleicht auch zum Spektrum dessen, was mit Hochbegabung gemeint ist, und verdienen entsprechende Rücksicht und Respekt?

Von gesenkten Erwartungen

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Dieser Blogpost wird kurz, weil er nur eine Einsicht enthält: Wer Menschen mag, sollte die Erwartungen an sie nicht senken. Wer bei Freundinnen und Freunden Kritik zurückhält oder ihre Handlungen milder beurteilt als die anderer Menschen, tut ihnen kein Gefallen, sondern senkt insgeheim den Wert der Beziehung und das eigene Bild der anderen Person.

Das Ideal, so lesen wir bei Max Frisch im Tagebuch 1946-49, wäre eine Beziehung ohne Bildnis:

»Du bist nicht«, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, »wofür ich Dich gehalten habe.«
Und wofür hat man sich denn gehalten?
Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat.
Weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.

Wenn unsere Erwartungen ein Bild zeichnen – dann ein möglichst positives. Und an diesem Bild gemessen entsteht dann oft Kritik, weil wir nie so sind, wie die Menschen, die uns lieben, das gerne hätten.

Humorlos sind immer die anderen

Bestimmte menschliche Eigenschaften schreiben sich fast alle Menschen zu – der Grund, weshalb Horoskope so gut funktionieren: Wir sind alle spontan, anständig, ehrlich, arbeitsam und humorvoll. Aber anderen Menschen sprechen wir diese Eigenschaften gerne ab: Die sind im Vergleich mit uns nämlich selten spontan, oft unanständig, sie lügen, arbeiten nicht gern und haben keinen Humor.

Diese Denkfigur zeigt sich deutlich an Untersuchungen zum Bedingungslosen Grundeinkommen: Die große Mehrheit der Menschen würde trotz Grundeinkommen gerne weiter arbeiten, denkt aber von der großen Mehrheit aller anderen Menschen, sie würden das nicht tun.

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Was gegen diese Täuschung hilft, ist sich klarzumachen, dass wir für alle anderen Menschen auch ein anderer Mensch sind. Wir sind die, die für andere humorlos sind, unanständig, unehrlich und nicht spontan. Und nur weil wir über gewisse Witze lachen, gewisse Menschen nicht belügen, einige Anstandsregeln einhalten und ab und zu spontan sind, sind wir keine besseren Menschen, sondern genau gleich wie alle anderen auch.

Um das noch eine Ebene abstrakter zu machen: Ich bin gegen Relativismus wenn es um Rechte und wissenschaftliche Aussagen geht. Menschenrechte sind bessere Rechte als die eines beliebigen Diktators, nicht, weil ich das finde, sondern weil es so ist. Und der Mond dreht sich um die Erde, nicht, weil ich das finde, sondern weil es so ist. Aber unterhalb gibt es keine absoluten Aussagen: Viele menschlichen Eigenschaften sind zutiefst relativ und deshalb ist auch die Meinungsäußerungsfreiheit so wichtig.

[Ausgangspunkt für dieses Blogtext war diese Diskussion auf Facebook.]

Die »Zürcher Prozesse« – ein paar Fragen und Gedanken

Milos Rau lade »uns dazu ein, unsere Wirklichkeit als Theateraufführung zu betrachten«, schreibt Hansjörg Betschart. Das hat er letzte Woche in Zürich getan, wo die Weltwoche vor Gericht stand – einem fiktionalen Gericht, das aber aus echten Menschen bestand, die zwar eine Rolle spielten, diese aber selbst bestimmen konnten, genau so wie die Anklagenden und die Verteidigenden.

Ich verstehe, was Rau beabsichtigt. Es ist eine Brechtsche Idee, Menschen zu ermöglichen, im Theater ihre Wirklichkeit zu erkennen. Aber: Die Weltwoche? Haben wir darüber nicht schon 200 Zeitungsartikel gelesen und 50 Blogposts geschrieben? Gibt es zum Roma-Cover noch etwas Neues zu sagen oder zu denken? Und warum echte Gesetzesartikel? Warum werden nicht grundsätzlichere Fragen diskutiert?

Screenshot SRF.

Screenshot SRF.

Hilft ein inszenierte Prozess beim Verständnis dessen, was der Rechtsstaat ist oder sein könnte? Was Medienfreiheit für Probleme mit sich bringen kann und wie sie zu lösen sind? Wie mit den Mechanismen der Provokation, der politischen Inkorrektheit, persönlicher Diffamierung und unsauberer journalistischer Arbeitsweise umgegangen werden sollte? Ich bezweifle es – ohne allerdings viel vom Prozess gesehen zu haben. Gelesen habe ich dafür einiges darüber, z.B. in der NZZ.

Es braucht nicht viel Schlitzohrigkeit, einen Brejvik-Prozess zu verhökern. Eher schon bräuchte es Chuzbe sich der Dokumentation des Nicole-Prozeßes zu stellen, der gegen den Genfer Arbeiterführer geführt wurde, und der samt der Dokumentation der Schießerei von Genf vom 9. Nov. 1932, durchaus etwas über die schweizerische rechte Mythenbildung sagen könnte.

Die Frage bleibt, wieviel Wirklichkeit braucht die Wirklichkeit, damit wir ihr beikommen können? Und die Wirklichkeit gibt auch gerne Antwort: Sie ist unendlich interessanter als jede ihrer Theoriebildungen!

Das alles schreibt ebenfalls Betschart. Ich tendiere dazu, ihm beizupflichten: Die Weltwoche vor Gericht zu stellen ist nicht originell. Die Form des Gerichtsprozesses auf dem Theater ermöglicht zwar, die Inszenierung der Weltwoche, der SVP und ihrer Kritikerinnen und Kritiker zur Darstellung zu bringen – aber denkende Menschen haben das schon vor Jahren durchschaut. So werden Argumente wiederholt, die ihre Kraft längst verloren haben. Das Ziel Raus, so heißt es im Beitrag von SRF Kulturplatz, sei der »gesellschaftliche Diskurs«. Nur: Den gibt’s ohnehin schon, mit oder ohne Rau.

Die Realität auf die Bühne bringen: Gerne. Aber so, dass Form und Inhalt einander voranbringen und nicht schon bestehende Muster verfestigen.

Der Staat und die Freiheit

Das Folgende habe ich wohl so schon mal gesagt. Oder zumindest gedacht. Man möge es mir nachsehen.

Mit dem Staat und der Freiheit ist es komplizierter, als es scheinen mag. Viele Gesetze brauchen wir nur deshalb, weil wir dem Staat das Gewaltmonopol übertragen haben (mindestens tun wir so, als hätten wir das aktiv getan), und nun sicher stellen müssen, dass diese enorme Macht so eingesetzt wird, dass nichts Schlimmes passiert. Die meisten Rechte, die Bürgerinnen und Bürger in vernünftigen Staaten genießen, sind Abwehrrechte, die dem Staat sagen, was er nicht tun darf. Insofern ist der Staat eine Bedrohung für die Freiheit der Menschen. Gerade wenn es um scheinbare oder reale Gefahren geht, sind viele Menschen bereit, dem Staat im Namen der Sicherheit Kompetenzen zuzuschreiben, welche Freiheiten massiv einschränken – in der Illusion, es handle sich dabei immer um die Freiheit der anderen und nie um die eigene.

Aus einer anderen Perspektive bietet uns der Staat aber auch Möglichkeiten. Wäre die Ausbildung der Kinder, der Unterhalt der Abwassersysteme, die Entsorgung von Abfällen oder die Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs privaten Unternehmen überlassen, so gäbe es viele Kinder, die keine oder eine massiv schlechtere Ausbildung genießen würden; Häuser, deren Abwässer ins Grundwasser fließen; Abfälle, die Böden vergiften und ganze Gegenden ohne Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Der Staat gewährt den Menschen elementare Möglichkeiten und verhindert so Abhängigkeiten und massive Unfreiheit.

State. Paul van Raak.

State. Paul van Raak.

Die beiden Sichtweisen ergänzen einander. Sie miteinander zu verbinden, ist wohl eine der wesentlichen Aufgaben einer Demokratie, in der sich dann auch die Frage stellt, wie die Leistungen eines Staates finanziert werden; wie verhindert werden kann, dass Minderheiten benachteiligt werden und wie das Gleichgewicht zwischen Verantwortung und Initiative von einzelnen oder kleinen Gruppen und Unterstützung durch staatliche Institutionen hergestellt werden kann. Zudem muss vielen Menschen vermittelt werden, inwiefern sie vom Staat profitieren – gerade leistungsfähige Menschen halten sich oft für benachteiligt, weil der Staat von ihnen Solidarität einfordert.

Entscheidend scheinen mir folgende Aspekte zu sein:

  1. Staatliche Leistungen, welche mit Sicherheitsfragen direkt nichts zu tun haben, oft einen stärkeren Einfluss auf die Sicherheit der Menschen haben. Zufriedene Menschen wollen anderen selten Schaden zufügen.
  2. Strafen und Maßnahmen, welche wesentliche Rechte respektieren, werden oft vorschnell als wirkungslos abgetan.
  3. Dass Credo, wonach private Lösungen per se effizienter und qualitativ wertvoller seien als staatliche, ist so verlockend wie falsch: Genau wie der Staat die Tendenz zu Bürokratie und Eigensinn aufweist, tendieren Unternehmen dazu, Menschen auszunutzen und zu manipulieren.
  4. Staatliche Rahmenbedingungen für private Anbieter führen meiner Meinung nach oft zu unglücklichen, verzerrten Lösungen.
  5. Sowohl Marktkräfte wie auch staatliche Organisation ignorieren häufig die Kraft lokaler Lösungen. Menschen, die in Genossenschaften in ihrem Quartier Probleme lösen, tun das oft mit größerer Akzeptanz als große Player – sei das der Staat oder ein Unternehmen.

Die Forderung nach Netzneutralität weitergedacht

Die deutsche Telekom hat ihre Angebotsstruktur für Internetanschlüsse verändert: Neu wird der Datenfluss nach dem Überschreiten eines monatlichen Limits massiv gedrosselt – so dass der Zugang eigentlich unbrauchbar wird (lesenswerte Kommentare dazu gibts hier). Das gilt allerdings nicht für die Inhalte, welche die Telekom oder ihre Partner anbieten: Wer die richtige Musik abonniert hat oder die richtigen Filme schaut, kann das unbeschränkt mit schnellem Zugang tun, andere nicht.

Damit ist die Netzneutralität verletzt, denn:

Netzneutrale Internetdienstanbieter senden alle Datenpakete unverändert und in gleicher Qualität von und an ihre Kunden, unabhängig davon, woher diese stammen, zu welchem Ziel sie transportiert werden sollen, was Inhalt der Pakete ist und welche Anwendung die Pakete generiert hat.

Die Metapher Paket zeigt recht deutlich, dass sich Internetdienstanbieter nicht von Postunternehmen unterscheiden: Netzneutralität würde dort bedeuten, dass Pakete und Briefe gleich schnell befördert werden, egal wie viel Absenderin oder Empfänger dafür bezahlen oder welche Form sie haben.

Diese Formulierung zeigt einerseits, wie weit entfernt die Forderung nach Netzneutralität von der wirtschaftlichen Realität ist. Warum sollte jemand nicht für schnelleren Transport bezahlen können, zumal das Bezahlen ja auch umgekehrt funktionieren könnte: Die Empfängerin könnte ja langsamere Sendungen wiederum beschleunigen, indem sie Ausgleichszahlungen leistet.

Diese wirtschaftliche Möglichkeit, also die Vorstellung, dass der Markt die Angebote liefert, welche Kundinnen und Kunden haben wollen, ist offenbar gescheitert. Schon bei Mobilfunkanbietern lässt sich erkennen, dass die Angebotsstruktur mit den Bedürfnissen der Menschen, welche die Angebote nutzen, nichts zu tun haben; sehr viel mehr damit, dass sie nicht erkennen können, was ihre Bedürfnisse eigentlich sind und grenzenlos verwirrt sind, wofür sie genau wie viel bezahlen sollen.

Die Gefahr einer rein wirtschaftlichen Lösung zeigt auch folgendes Video:

Nun gibt es bei der Paketpost in urbanen Regionen echte Konkurrenz: Ländliche Gebiete werden aber nur dank staatlicher Förderung versorgt, weil ein kostendeckendes Angebot schlicht nicht denkbar wäre.

Die verschiedenen Dimensionen von Netzneutralität.

Die verschiedenen Dimensionen von Netzneutralität.

Die Bedeutung von Netzneutralität zeigt, dass es sich um ein Problem handelt, das nur der Staat lösen kann. Die populäre Forderung ist dabei die nach Gesetzen: Alle privaten Anbieter müssen netzneutral operieren, ansonsten sind ihre Angebote illegal. Dieser Forderung scheint auf den ersten Blick plausibel, widerspricht aber der wirtschaftlichen Ordnung in Europa fundamental:

  • im Detailhandel bezahlen Hersteller für prominente Platzierung im Geschäft und für Sonderangebote
  • Autohändler verkaufen einige Marken exklusiv und bieten Reparaturen und andere Dienstleistungen nur für bestimmte Marken an
  • Fluggesellschaften zahlen Flughäfen für speditivere Abwicklung an Fingerdocks (oder eben nicht, und dann müssen Passagiere mit Bussen zum Flugzeug befördert werden oder einen anderen Flughafen benutzen).

Es bleibt nur eine Lösung: Der Staat muss selber ein Grundangebot bereit stellen. Internetinfrastruktur ist eine staatliche Aufgabe. Mein Vorschlag:

Diese Aufgabe möglichst lokal erfüllen, am besten auf der Ebene der Gemeinden. Die prüfen das bestehende Angebot und ergänzen es um ein eigenes, wenn es den Anforderungen (ein netzneutrales, für alle erschwingliches Netz) nicht entspricht. Private Anbieter brauchen die staatliche Konkurrenz nicht zu fürchten, wenn sie anständige Angebote bereit stellen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Glasfasernetz der Stadt Zürich.

Alt Lit, Männer trollen und Post-Gender

Kürzlich habe ich mich mit jemandem auf ein Bier getroffen und ein paar Stunden geredet. Ich habe viel gelernt, nachgedacht und Fragen gestellt bekommen, die mich noch eine Weile begleiten werden. Unter anderem wurde mir Marie Calloway vorgestellt, eine Ikone der Alternative Literature. Meine Gesprächspartnerin vertrat die Meinung, es könne nicht lange gehen, bevor die auch im deutschsprachigen Raum rezipiert werden würde. Ich habe einiges von Calloway gelesen und bin beeindruckt: Mit minimalen Mitteln zeigt sie, wie on- und offline Geschlechterrollen inszeniert und repräsentiert werden. Indem sie literarisch aufzeigt, wie Männer auf ihr literarisches Alter-Ego reagieren, und dabei ihre literarische Rolle und ihre Person ununterscheidbar werden lässt, provoziert sie Reaktionen und Reflexionen, die politisch mehr bewegen dürften, als es eine Aufschrei-Debatte kann.

tumblr_mihpcj8KH91s6q4cuo1_1280Calloway trollt Männer. Sie spielt mit Identitäten, verunsichert souveräne Männer und lässt ihr Publikum über sie lachen. Das scheint mir eine viel versprechende Strategie zu sein – nicht für den Umgang mit sexueller Gewalt beispielsweise und auch nicht für den Umgang mit unterschiedlichen Rechten. Da gibts nichts zu lachen. Aber für den Raum, den Männer wie selbstverständlich einnehmen, für die subtilen Übergriffe und den latenten Sexismus, den viele gar nicht wahrnehmen. Den kann man anprangern, wird aber damit die stärken, die ihn ignorieren. Ihn aber zu trollen schafft eine Verunsicherung bei denen, die ihn ausüben; sie hebelt die Selbstverständlichkeit aus, mit der Männer annehmen, ihre Sexualität auch gegen Widerstände ausleben zu müssen und zu dürfen.

Im Gespräch verglichen wird die Alt Lit-Szene mit dem jungen Feminismus im deutschen Sprachraum, der oft betont politisch ist und bewusst einen barschen Ton anschlägt. Dabei fällt auf, dass Calloway und andere Alt-Lit-Autorinnen traditionell dem weiblichen Stereotyp zugehörige Tätigkeiten ausführen (schreiben, zum Beispiel; oder Collagen machen, sich schminken); während viele Feministinnen und Deutschland einen starken Bezug zu technischen und naturwissenschaftlichen Tätigkeiten aufweisen.

Von da aus lässt sich eine Brücke zur Frage des Gender-Mainstreaming schlagen, also zur Frage, wie denn Gleichstellung konkret umgesetzt werden könnte: Sollen Mädchen animiert werden, Roboter zu bauen, Computer zu programmieren und Eishockey zu spielen (und Knaben mit Puppen Theater spielen, sich schminken und Geschichten erfinden)? Auch. Es braucht im Computerclub mehr Frauen und in Lesezirkeln mehr Männer, damit sich alle Menschen dort wohl fühlen. Aber die konkrete Tätigkeit ist weniger wichtig als ihre Funktion: Wenn sich junge Frauen heute auf Tumblr als Objekte präsentieren (vgl. die Arbeiten von Kate Durbin), dann verlassen sie damit eine heterosexuell geprägte Weiblichkeit: Sie inszenieren sich für sich, weil es auf diesen Tumblr kaum Männer gibt. Schminken und Mode wird zu einer selbstreflexiven Kunst in einem nicht-genderten Raum; es ist, als würden diese Kulturtechniken von Frauen »reclaimed«, als so beansprucht, dass sie nicht mehr in einem Diskriminierungszusammenhang stehen.

tumblr_mlboej5ncJ1r8ihz1o1_1280Dasselbe kann man bei urbanen Männern beobachten, die ihren Body formen und eigene Modestile ausprägen, ohne dass das primäre Ziel das andere Geschlecht wäre.

Das wäre letztlich die Vorstellung von Post-Gender, die ich für erstrebenswert halte: Dass Menschen Tätigkeiten ausüben und Identitäten entwickeln, die losgelöst von ihrer Geschlechtsidentität, von Geschlechterrollen und sexueller Orientierung sind. Dass das Geschlecht weder für die Motivation, etwas zu tun, noch für die Fähigkeit als ausschlaggebend angeschaut wird.

Aber es wäre naiv zu denken, man könnte einfach so tun, als lebten wir bereits in dieser Situation. Bis dahin braucht es wohl sowohl die Strategien des jungen amerikanischen und des jungen deutschen Feminismus: Einerseits spielerisch dekonstruieren, was Privilegierte als Selbstverständlich erachten, andererseits knallhart einfordern, was für alle Selbstverständlich sein sollte. So attraktiv Alt Lit und Trollerei erscheinen mag: Letztlich handelt es sich hier auch wieder um Tätigkeiten für Privilegierte, die vielen real Diskriminierten und Benachteiligten weder zur Verfügung stehen noch helfen.

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Umverteilung und staatliche Leistungen

Die Diskussion über die Finanzierung der Kinderbetreuung – aktuell dieser Gastkommentar von Carmen Walker-Späh zur SVP-Familieninitiative - weist auf ein fundamentales Problem von Staatsfinanzen hin:

Steuern und Subventionen vermischen staatliche Anreize, Umverteilung und der Einkauf staatlicher Leistungen auf eine so diffuse Art und Weise, dass die Orientierung schwer fällt. Diskussionen über die Besteuerung von Ehepaaren, die Finanzierung von Kinderbetreuung und die finanzielle Situation des Mittelstandes laufen immer wieder auf die Erkenntnis hinaus, dass es keine zuverlässigen Zahlen gibt, mit denen klare Aussagen gemacht werden könnten. Grund dafür sind auch die föderalistischen Strukturen in der Schweiz, die eine Vergleichbarkeit erschweren.

Das Ideal müssten drei getrennte Vorgehensweisen sein, die folgende Fragen abschließend behandeln:

  1. Wer muss Umverteilung finanzieren und wer profitiert davon? 
  2. Welche Leistungen kauft der Staat zu welchem Preis ein?
  3. Welche finanziellen Anreizsysteme verwendet der Staat zu welchem Zweck?

Viele Verfahrensweisen des Staates erfüllen heute mehrfache Zwecke und sind historisch und emotional stark besetzt. So wird eine vernünftige politische Auseinandersetzung erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

Kinderbetreuung »Ein reiner Aufbewahrungsort war der Kindergarten sehr lange, und schon im Alter von etwa eineinhalb Jahren kamen die Jüngsten.«

Kinderbetreuung: »Ein reiner Aufbewahrungsort war der Kindergarten sehr lange, und schon im Alter von etwa eineinhalb Jahren kamen die Jüngsten.«

Nehmen wir das Beispiel der Betreuung von Kleinkindern:

  • Der Staat bietet Kinderbetreuung teilweise an und kauft sie ein. 
  • Subventionen für externe Kinderbetreuung verteilen um – von wem zu wem ist nicht ganz klar, in den Genuss kommen meist arbeitstätige Eltern.
  • Die Finanzierung der Kinderbetreuung schafft einen Anreiz für schlechter verdienende Eltern, Familienarbeit statt bezahlter Arbeit zu leisten.
  • Kinderbetreuung führt zudem zu Steuerabzügen.
  • Kinder berechtigen zu staatlich garantierten Kinderzulagen.
  • Kleine Kinder können staatliche Angebote wie Museen, Sportanlagen etc. weit gehend kostenlos nutzen.

Die drei Fragen von oben könnten dieses Durcheinander ordnen helfen. Es scheint weder klar, dass Eltern von Umverteilung profitieren sollten noch welcher Anreiz der Staat in Bezug auf Berufs- und Familienarbeit schaffen will, die Mechanismen scheinen sich teilweise aufzuheben oder zu widersprechen.

Man kann dieses Spiel für jeden staatlich organisierten Bereich durchführen und wird ähnliche Problemlagen erkennen. Daraus lässt sich schließen, dass die verantwortlichen politischen Akteure an Klarheit kein Interesse haben. Viele Anliegen, die nur bestimmten Gruppen nützen, lassen sich besser verkaufen, wenn nicht deutlich wird, wer genau davon profitiert und wer sie finanziert.

Justin Bieber und Anne Frank

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Glaube, Liebe, Hoffnung.

Der Kontrast ist groß: Hier das Mädchen, das im Amsterdamer Hinterhaus Tagebuch führt und dessen intime Beschreibungen ihrer Mitmenschen und ihrer Gefühle Millionen von Leserinnen und Lesern findet, weil ihre Autorin im KZ ermordet wurde. Da der kanadische Junge, dessen Erfolg so überwältigend ist, wie er unverdient zu sein scheint: Kulturinteressierte Erwachsene lächeln mitleidig über den Bieber-Kult. Die Frage, ob Justin Bieber in 50 Jahren den Status erlangt haben könnte, den die Beatles heute genießen, scheint absurd.

Der ignorante, kulturlose Megastar besucht 2013 das Anne-Frank-Haus und denkt beim Gästebucheintrag mehr an sich als an Anne Frank und die Verbrechen, für die sie als Opfer symbolisch steht. Die Episode scheint allenfalls ein Beleg dafür zu sein, wie oberflächlich das Mainstreammusikbusiness ist und wie wenig Bewusstsein für historische Zusammenhänge bei seinen Exponenten vorhanden ist.

Aber Bieber ist mehr als ein Exponent eines Geschäftszweigs. Sein Fans »glauben« an ihn, obwohl er nur ein Produkt ist. Er steht weder für eine Ideologie noch für eine politische Bewegung. Der Glaube an ihn ist so selbstbezüglich wie Biebers eigene Handlungen: Bieber steht für das Begehren und die Gefühle von 13-15-jährigen Menschen in unseren Kulturkreisen. Er ist die ultimative Inszenierung: Ein reines Produkt. Das Faszinierende an ihm ist weder der Mensch Justin noch der Musiker Bieber, sondern die Tatsache, dass der Glaube an ihn Millionen von jungen Menschen vereint, die auf etwas Hoffen, was sie nicht benennen können und das nie eintreten wird.

Anne Frank und ihr Tagebuch funktionieren ganz ähnlich: Das Tagebuch ist eigentlich kein Dokument, das die Schrecken des Holocaust darstellt, sondern es zeigt das Begehren und die Gefühle eines 13-15-jährigen Mädchens. Wäre sie nicht im KZ gestorben, würden wir uns schämen, ihre Texte zu lesen – sie sind klar privat und intim. Gerade das gibt ihnen aber diese Bedeutung: Das Alltägliche an Franks Eintragungen verweist auf die Sinnlosigkeit des Massenmordes. Gleichzeitig steht die Lektüre und die Verbreitung des Textes im Zusammenhang mit der Hoffnung, dass sich ähnliche Prozesse nicht wiederholen würden, wenn wir nur alle genug gut informiert wären über die Schrecken der Nazizeit.

Anne Frank ist wie Justin Bieber ein Produkt, eine Inszenierung. Nicht umsonst erfahren wir von Biebers Eintrag auf der Facebook-Seite des Anne-Frank-Hauses, wo von Kritik an diesem Statement nichts zu lesen ist. Beide brauchen einander: In den letzten zehn Jahren haben wohl nie so viele Jugendliche auf einen Schlag erfahren, wer Anne Frank ist. Und Justin Bieber hat eine weitere Episode geschrieben, indem er auf einen Schlag in allen Medien präsent ist. Mögen ihn die Erwachsenen ignorant und kulturlos finden, dumm oder selbstbezogen: Wo immer er hingeht, wartet eine Crowd auf ihn.

Menschen brauchen Figuren wie Anne Frank oder Justin Bieber. Ohne sie verstehen sie nichts: Weder Geschichte noch die Psychologie Pubertierender. Wer sich darüber empört, was Bieber geschrieben hat, sollte sich fragen, warum er oder sie nicht gezögert hat, die Privatsphäre einer Jüdin zu verletzen, die von den Nazis ermordet worden ist.

Und zum Schluss: Die Episode zeigt vielleicht einfach, dass Erwachsene Jugendliche nicht verstehen. Weder 1943 noch 2013.

Die 1:12-Initiative, Roger Federer und Wilt Chamberlain… 

Markus Somm fragt sich in Bezug auf die 1:12-Initiative Folgendes:

Was würde geschehen, wenn der internationale Tennisverband verfügte, dass Federer nur noch zwölf Mal mehr einnehmen darf als der Balljunge? Federer hätte einen anderen Beruf ergriffen – warum nicht Hochbauzeichner oder Gymnasiallehrer? Wertvolle Tätigkeiten, ohne Zweifel, aber woraus hätten mehr Leute einen Nutzen gezogen? […]

Federer, der Tennisspieler, hat mehr Menschen eine Freude bereitet als Federer, der Lehrer. Deshalb wünschen sie, Federers Triumphe am Fernsehen mitzuverfolgen, weswegen die Fernsehanstalten dank hohen Einschaltquoten mit Werbe-Spots viel Geld verdienen, wenn sie Tennis-Spiele übertragen. Und deshalb sind sie bereit, für die Übertragungsrechte den Tennisveranstaltern Millionen zu überweisen, was wiederum diesen erlaubt, Federer so viel zu zahlen, ansonsten er gar nicht aufschlagen würde, sondern lieber Kantonsschüler unterrichtete. […] Niemand zahlt einem anderen freiwillig einen überrissenen Lohn.

Tatsächlich – würde Roger Federer oft in der Schweiz spielen, müsste er nach der Annahme der Initiative seine Bezüge wohl drastisch kürzen (nicht nur, weil beim Swiss Indoors in Basel gerne ungarische Leiharbeiter zu Hungerlöhnen eingesetzt werden). Federer wird oft auch als Beispiel angeführt, weil er selber ja auch ein Team beschäftigt und beispielsweise seinem Physiotherapeuten »nur« einen Zwölftel seiner eigenen Bezüge auszahlen dürfte.

Was ist genau Somms Argument? Federer übe seinen Beruf nur deshalb aus, weil er damit so viel verdienen würde. Eine Obergrenze von ca. 500’000 Franken, wie sie die 1:12-Initiative für die meisten großen Unternehmen in der Schweiz einführen würde, hätte verhindert, dass Federer Tennis spielt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Allgemein: Die völlige Lohnfreiheit führt zu einer optimalen Zuordnung von Menschen zu Berufen.

Das darf man getrost bezweifeln. Dario Cologna ist wie Federer ein Ausnahmetalent. Sabrina* auch. Sie arbeitet in einer Kinderkrippe; leitet eine Gruppe, bildet Lehrfrauen aus, fördert die ihr anvertrauten Kinder, nimmt Inputs von Eltern auf und vermittelt ihnen pädagogisch sinnvoll die Bedürfnisse und Leistungen ihrer Kinder. Ihre Arbeit erfreut Woche für Woche 20 Menschen, die sich wohl fühlen und ihre Zukunft mit Zuversicht in Angriff nehmen können. Dario Cologna verdient wohl etwa so viel wie ein Gymnasiallehrer und Sabrina einen Drittel davon. Ihr Lohn hat kaum etwas mit ihrer Motivation, ihren Beruf auszuüben, zu tun.

Roger Federer und die 12 Balljungen und -mädchen.

Roger Federer und die 12 Balljungen und -mädchen.

Relevanter scheint mir die Überlegung, die Robert Nozick in Bezug auf Wilt Chamberlain angestellt hat. Um sie auf Federer zu übertragen: Angenommen, alle Menschen verdienen gleich viel oder ihre Löhne bewegen sich in einer gerechten Bandbreite. Nun spielt Roger Federer eine Exhibition im Stade de Suisse und 50’000 Zuschauerinnen und Zuschauer möchten je 100 Franken dafür bezahlen, ihn spielen zu sehen. Er erhält die Hälfte der Einnahmen, also 2.5 Millionen. Was ist daran ungerecht, wenn Menschen freiwillig anderen Geld geben und die es annehmen?

Nichts. Theoretisch ist es unnötig und gefährlich, wenn der Staat sich in Transaktionen einmischt, die freie Menschen miteinander abschließen. Niemand muss ins Stade de Suisse und alle können abschätzen, was sie dort erleben werden.

Aber die Angestellten von Unternehmen sind nicht Roger Federer: Ihre Leistung lässt sich nicht messen, niemand weiß, was man von ihnen konkret erwarten kann und sie erhalten das Geld nicht von Menschen, die es ihnen geben wollen, sondern über komplexe Entschädigungssysteme, bei denen die Vorgesetzten sicher stellen, dass sie selber möglichst hoch entschädigt werden und bereit sind, die Systeme entsprechend anzupassen.

Kurz: Die 1:12-Initiative würde Unternehmen helfen, wirtschaftlicher zu operieren. Dass Lohn generell mit Motivation verbunden ist, ist ein Mythos.

(Ich selber stelle eine Reinigungsfachkraft an, um meine Wohnung putzen zu lassen. Damit habe ich lange gezögert, weil ich grundsätzlich nicht einsehe, warum jemand für mich die Arbeit machen soll, die ich selber nicht gerne mache. Ich zahle ihr etwas mehr als die Hälfte von dem, was ich in dieser Zeit verdienen würde. Ist das gerecht?) 

*Name geändert…