Komplimente als Übergriffe

»Ich freue mich immer, Sie zu sehen, schon aus ästhetischen Gründen«. Wobei man sich natürlich stets fragen muß, ob man mit einer Dame spricht, die solches zu schätzen weiß. – Ilse und Ernst Leisi, Sprach-Knigge oder Wie und was soll ich reden?

Die Frage, ob mit Komplimenten Übergriffe denkbar sind, muss kaum diskutiert werden: Wir alle können sofort eine Reihe von Komplimenten konstruieren, die uns in bestimmten Situationen und von bestimmten Personen geäußert beschäftigen, belasten oder belästigen. Gleichwohl scheint aber gerade in Bezug auf die Anliegen von #Aufschrei die Vorstellung vielen Menschen (oder: Männern) sehr unangenehm zu sein, dass wohlwollend gemeinte Komplimente für die Betroffenen (meist: Frauen) Übergriffe darstellen: »Wenn man nicht mal mehr ein Kompliment machen darf…« / »Über Komplimente soll man sich doch nicht aufregen, sondern freuen.«

»Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?«  »Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn.«

Faust: »Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?« –
Gretchen: »Bin weder Fräulein, weder schön,
kann ungeleitet nach Hause gehn.«

Dazu möchte ich ein paar Überlegungen anstellen, die ich der Übersichtlichkeit halber nummeriere:

  1. Die Absicht und die Wirkung von sozialen Handlungen. 
    Übergriffe sind die Handlungen, welche von den Betroffenen als Übergriffe empfunden werden. Natürlich können sie unter Umständen bemerken, dass dahinter keine Absicht stand, natürlich kann eine entsprechende Entschuldigung ein Missverständnis auflösen; ein beklemmendes Gefühl bleibt aber meistens. »Kompliment« drückt die Absicht, »Übergriff« die Wirkung. Nicht immer, aber manchmal. Manchmal ist »Kompliment« auch nur eine ganz andere Handlung, die als Kompliment maskiert daherkommt: Oft geht es darum, sich selber zu inszenieren und in einem guten Licht erscheinen zu lassen; nicht die andere Person. 
  2. Die Bedeutung von Komplimenten. 
    Ein Kompliment, so verstehen wir den Begriff heute, ist ein Lob. Ein Lob impliziert ein bestimmtes Verhältnis zwischen zwei Personen: Wer lobt, ist in der Lage, ein Urteil zu fällen; erwartet, dass das Lob für die andere Person von Bedeutung ist, sie ihr Verhalten möglicherweise danach ausrichtet. Eine Lehrerin lobt ihren Schüler, ein Vater seine Tochter. »Das ist aber ein schönes Kleid« heißt: Ich darf deine Kleidung beurteilen, mein Urteil ist für dich von Bedeutung, und in diesem speziellen Fall ist es wohlwollend (und sonst eher nicht).
  3. Kontext, Kontext, Kontext. 
    Im oben mach Faust Gretchen ein Kompliment. Diese kommt aus der Kirche. Faust zwingt Gretchen durch sein Kompliment dazu, den religiösen Kontext zu verlassen und in einen romantischen einzutreten. Genauso zwingen Komplimente über Kleidung, Aussehen etc. Betroffene dazu, einen anderen Kontext (z.B. einen beruflichen) zu verlassen und sich mit einem anderen auseinanderzusetzen, mit dem sie sich vielleicht nicht auseinandersetzen wollen. Jemanden zwingen, über etwas zu sprechen, worüber sie (oder er) vielleicht nicht sprechen will: Ist das nicht die Definition eines Übergriffs?
  4. Mögliche Reaktionen. 
    Macht mir jemand ein Kompliment, wird von mir erwartet, mich zu bedanken, mich zu freuen. Es gibt kaum sozial akzeptable Verweigerungen oder Zurückweisungen von Komplimenten, mit denen die Interagierenden das Gesicht wahren können. Jede negative Reaktion ist als Überreaktion markiert und führt zu Unverständnis, sie kann Beziehungen gefährden.
  5. Wie geht man denn korrekt vor? 
    Meiner Meinung geht das recht einfach: Man stelle sich vor, man erhalte in einer ähnlichen Situation ein ähnliches Kompliment von einer nicht besonders angenehmen Person. Wird der Kontext verlassen? Wird die Beziehung neu definiert? Fühlt es sich negativ an? Falls all das nicht der Fall ist, gibt es wohl kein Problem mit dem Kompliment.

Ich weiß nicht, ob das viele Menschen üben müssen oder ob sie es eigentlich verstehen, aber immer wieder ausblenden. Vielleicht ein letzter Hinweis: Eigentlich braucht es keine Komplimente. Es reicht meistens, Leistungen zu anerkennen sowie Interesse und Mitgefühl zu zeigen.

61 thoughts on “Komplimente als Übergriffe

  1. Danke! Vor allem das mit dem Kontext ist das Wichtigste überhaupt. Nur kann es natürlich passieren, dass zwei Personen den ein und denselben Kontext anders einordnen.
    Beispiel: Alltägliche Situation am Arbeitsplatz. (also ich gehe jetzt mal von einem netten Menschen aus, nicht von einem der denkt er hätte das Recht alles anzugrapschen was keinen Penis hat, denn die gibt’s ja auch noch…)
    Also: Kollege macht Kollegin ein nett gemeintes Kompliment. Kollegin fasst es als unangebracht auf und reagiert dem entsprechend defensiv. Kollege versteht die Welt nicht mehr und denkt, die Kollegin reagiert über.
    Woher das Missverständnis? Der männliche Mitarbeiter sieht zuerst die Frau und danach die Kollegin. Er sagt etwas, von dem er denkt, dass es der Frau Freude machen würde. ABER, und da ist das Problem: Die Mitarbeiterin sieht sich selber in der Arbeitssituation drin eben nicht zuerst als Frau, sondern als Mitarbeiterin. Das Frausein würde für sie erst dann in den Vordergrund treten, wenn sie an einer romantischen oder sexuellen Beziehung interessiert wäre, was sie in diesem Moment wahrscheinlich aber nicht ist.
    Deshalb würde ich verunsicherten Männern empfehlen, in einer Arbeitskollegensituation tendenziell auf Komplimente etc. zu verzichten bzw. diese erst dann anzubringen, wenn die Frau die Beziehungsebene wechselt. Dann seid ihr auf der guten Seite.

    Und ganz grundsätzlich hilft es natürlich egal in welchem Kontext, wenn man ein “Nein danke, kein Interesse” akzeptiert.

    • Ach, der Mann muss sich immer nach der Frau richten, muss immer warten, bis er das Wort von der Dame erteilt bekommt? So kann es auch nicht ganz richtig sein.

      Konkret auf dieses Beispiel bezogen: Wer so stark in seiner “Mitarbeiterrolle” drinsteckt hat wahrscheinlich eher ein Problem mit “workaholism”, Stress, burnout etc. als mit Sexismus.

      Es gibt halt Menschen, die reagieren “überrascht”, wenn ihnen was gefällt. “Oh, ein niedlicher Hund”, “Ui, ein schönes Gebäude” und eben auch manchmal “Oh, eine tolles Outfit”. Da steckt doch nicht immer “sexuelle Absicht” dahinter, sondern in ganz vielen Fällen einfach nur “Neugier”, “Überraschung”, das “Kind im Menschen”.

      Alles, was über Worte hinausgeht ist natürlich falsch und evtl. sogar strafbar (nur wo ein Kläger, da auch ein Richter! -> klagen, mitteilen, anzeigen bei echten körperlichen Übergriffen!). Aber “nette” Worte selbst sind kein Sexismus. Und Worte, die beleidigend sind (“Schlampe”, etc) sind juristisch eben Beleidigungen, sind also ebenfalls bereits jusristisch voll abgedeckt und können zur Anzeige gebracht werden.

      Es ist immer der Täter schuld, ja. Aber wenn die Opfer ihre Möglichkeiten nicht nutzen, sind sie schuld, wenn der Täter nicht zur Rechenschaft gezogen wird.

      • Ich habe keine Aussage darüber getroffen, was “Männer immer” oder “Frauen immer” sollen. Ich habe versucht, Philippes Frage aus meiner subjektiven Sicht so korrekt und vollständig wie möglich zu beantworten. Für “alle Frauen” zu sprechen masse ich mir nicht an, sowenig wie über “alle Männer”.

        Zum Punkt zwei: Es gibt für alles eine richtige Zeit und einen richtigen Ort. Ein empathischer Mensch merkt schnell, wenn eine Bemerkung daneben war, kann sich entschuldigen und gut ist.

        Zu Punkt drei: Ich behaupte nicht das Gegenteil.

        Zu Punkt vier: ack

        Zu Punkt fünf: sowieso ack. Aber bei einem missverstandenen Kompliment würde ich nicht gleich von Täter und Opfer sprechen. Meiner Erfahrung nach ist, wenn jemand von “Belästigung” spricht, weit mehr dahinter als ein “hübsches Outfit” zum falschen Zeitpunkt.

    • Auf der Arbeit grundsätzich nicht zu flirten oder Komplimente zu machen liegt als Empfehlung nahe, verkennt aber die Realität daß 20% aller Paare sich am Arbeitsplatz kennenlernen. Ehrlich gesagt erscheint mir diese Unterscheidung “Frau/Mitarbeitern” auch sehr verkrampft und verkopft. Am Arbeitsplatz ist man also am besten ein Arbeitsroboter und kein Mensch?

      • Wenn ein Ziel der Aufschrei- und Sexismuskampagne ist daß am Arbeitsplatz nicht mehr geflirtet werden soll kann man das ja diskutieren. Ich habe nicht gesagt daß ich dagegen bin, ich würde nur einfach gerne mal Klartext hören was OK ist und was nicht. Wie schon gesagt, aktuell haben sich 20% der Paare am Arbeitsplatz kennengelernt, so daß durch ein Flirt-Tabu am Arbeitsplatz zumindest eine Lücke entstehen würde.
        Wann/Wo der richtige Zeitpunkt ist ist eben doch schwer zu verstehen, weil sich im Einzelfall nicht jeder immer seiner Sache sicher ist. Zu Flirten ist nicht so einfach.

      • Ob das was man tut für jemanden OK ist weiss man doch teilweise erst wenn man es getan hat, und dann hat man schon Stern-TV mit der Sexismus-Anklage am Hals. Zudem ist der eine sensibler als der andere, wobei sensibel auch einfach nur schüchtern sein kann und dann zwei nicht zusammenkommen obwohl beide es gerne hätten, da sie immer vom worst case ausgehen. Sorry, aber die Antwort “OK ist was der andere OK findet” reicht finde ich nicht aus, zumindest nicht bei dem was ich bislang an Sexismus-Beispielen gehört habe. Manchmal ist es natürlich klar (Begrapschen, x-fach Wiederholte Einladung zum Kaffeetrinken trotz wiederholter Ablehnung etc), aber z.B. bei dem Ausgangspunkt hier mit dem Kompliment zum Lächeln: wie soll man sich vorher sicher sein ob das Kompliment willkommen ist oder nicht? Klar gibt es auch hier Fälle wo es durch die Vorgeschichte klar sein könnte, aber ich finde eben allgemein ist es eben nicht so einfach. Und man kann sich auch völlig täuschen und Signale missdeuten.
        Sorry wenn ich so darauf rumreite, aber ich finde es macht schon einen Unterschied ob vermeintlich sexistische Handlungen aus Respektlosigkeit oder aus Unsicherheit heraus begangen werden.
        Vielleicht ist es auch ein Problem daß Flirten für Frauen und Männer so unterschiedlich ist – viele Frauen sehen vielleicht kein Problem da sie kaum Risiken beim Flirten auf sich nehmen müssen, sie müssen nur warten bis der Richtige Ihnen Avancen macht und dann “OK” sagen. Daher können sie sich vielleicht die Probleme nicht vorstellen, die “Mann” hat wenn er das Risiko auf sich nehmen muss. Andersherum verstehen Männer nicht wie lästig es sein kann angemacht zu werden, da Männer kaum angemacht werden.

  2. Gerade mit der Nummerierung, welche du in den Dienst der Übersichtlichkeit stellst, ist ein Kern der Sache getroffen. Diese Struktur kann auch als Rasterung ausgelegt werden. Ein Raster des persönlichen Interaktionsmusters sollte am Ende bestenfalls Aufschluss geben über die wahre Intention einer Handlung. Ich für mich denke, man sollte den intimen Charakter eines Kompliments niemals unterschätzen. Unter den von Philippe genannten Voraussetzungen tun wir gut daran, uns in Zurückhaltung zu üben (und mit “uns” meine ich Menschen – nicht ausschliesslich Männer). Mässigung ist nicht gerade en vogue, Entgrenzung hingegen sehr. Die Anmassung eines Kompliments wird sehr oft zum eigenen Vorteil ausgeblendet. Dieser Tatbestand kann jedoch auf die Ebene der tausend Interaktionsprobleme zurückgeführt werden und verliert so – zum Unmut vieler, die sich am #aufschrei beteiligen – arg an Exklusivität.

  3. Man wird mit verunglückten “Komplimenten” sowieso leben müssen und ich glaube, im Normalfall ist das noch nicht “Sexismus”. Siehe die vielen Listen mit den guten und den schlechten Anmachsprüchen für beiderlei Geschlecht, hier z.B. http://www.gofeminin.de/maenner-verstehen/anmachsprueche-flirtmethoden-d5948.html
    Ich würde dir aber vor allem zustimmen, dass der Kontext entscheidend ist. Allein durch den unangebrachten Kontext kann eine Bemerkung zu einem Kleid zum “Sexismus” werden (als ein herabsetzendes Propagieren von Rollenklischees).
    “Sexismus” kann außerdem eine frontale Sexualisierung eines Gesprächs sein, selbst wenn der Kontext das vielleicht nicht ausschließen würde. Also das mehr oder weniger direkte “Anflirten” von Brust, Bauch, Schwanz, Bett, Sex. Das ist eine Überschreitung der Intimitäsgrenzen.
    Ich finde – was diese Intimitätsüberschreitung angeht – interessant, dass eine Gesellschaft, die längst jede Art von Prüderie, Scham und “Verklemmung” zum Tabu erklärt hat, nun doch merkt, dass Sexualität nie ganz ohne Prüderie (Affektkontrolle) auskommen kann. Das geht unvermeidlich ins Individuelle – wo die eine lacht, empfindet eine andere etwas Abstoßendes. Da hat jeder Mensch andere Empfindlichkeitseinstellungen. Wie man das ingesamt für die Gesellschaft neu justiert, weiß ich nicht: Was muss jemand mit niedriger Empfindlichkeitssschwelle stillschweigend und sich abkehrend tolerieren? Wo darf er oder sie “aufschreien”, ohne gleich für therapiebedürftig zu gelten?
    Das ist die eigentlich Schwierigkeit in diesem vorrechtlichen Bereich, glaube ich. Während das Propagieren von Rollenklischees, das Angrapschen etc. immer (mindestens) eines Aufschreis wert ist … z.B. “Wenn Frauen über ein neues Paar Schuhe aufschreiben” #aufschrei

      • Ich stimme dem nicht zu, dass „Angst” in diesem Fall „Rücksichtnahme” bedeutet.

        Aber natürlich sollte man mit Komplimenten zum Aussehen vorsichtig sein. Es kommt halt drauf an…

        Zugespitzt könnte man sagen: ein Kompliment darf nicht besitzergreifend sein. Alles nur IMHO und ohne Gewähr:

        Schlecht: “Sie machen ja eine tolle Figur in dem Kleid!”
        Gut: “So ein strahlendes Lächeln, da fängt der Tag gut an.”

        Ich fürchte halt, dass wir da vor lauter PC-Sprache das Ziel der Evolution aus dem Auge verlieren…

        Zum Fall Brüderle, es stimmt schon merkwürdig, dass die Frau das ein Jahr später ausgegraben hat.

      • Was meint denn Angst? Angst wovor?

        (Ich kenne den Fall Brüderle aus dritter Hand. Bei sexueller Belästigung ist es überhaupt nicht unüblich, dass sich Betroffene – wenn überhaupt – erst später äußern können.)

      • Angst, ein Kompliment könnte als Übergriff empfunden werden.

        [Brüderle:] Ja. Stimmt auch wieder.

      • «So ein strahlendes Lächeln, da fängt der Tag gut an.»
        Ganz ehrlich: Sowas will ich nicht hören.*

        Ich bin sehr froh, dass Philippe (als Mann) geschrieben hat: «Eigentlich braucht es keine Komplimente. Es reicht meistens, Leistungen zu anerkennen sowie Interesse und Mitgefühl zu zeigen.»
        Ich hatte mir gestern einige Gedanken zum Thema gemacht und habe die dann bis hin zur Schlussfolgerung im obigen Artikel wedergefunden. Ich dachte aber (bevor ich den Artikel gelesen hatte) zu meiner eigenen Schlussfolgerung, dass man sowas als Frau ja nicht sagen kann, weil das total zickig, distanziert und spassbefreit wirkt.

        Aber für mich ist es so. Komplimente über mein Äusseres sind meinem Partner und Freunden & Freundinnen vorbehalten. Also Menschen mit denen man in einer engen Beziehung steht. Die “dürfen” das. Da freu ich mich auch. Natürlich.

        *Wenn ich jemanden anlächle, kann der ja einfach zurücklächeln? Und vielleicht einen schönen Tag wünschen. Das wär nett und zurückhaltend. “Mein Tag fängt gut an weil DU lächelst” stellt eine Nähe her, die als unangenehm empfunden werden kann. (Abgesehen davon würd ich sowas nicht mal von meinem Partner hören wollen).

      • Zitat:

        «So ein strahlendes Lächeln, da fängt der Tag gut an.»
        Ganz ehrlich: Sowas will ich nicht hören.*

        Dann erübrigt sich jede weitere Diskussion. Ich bin froh, dass wir nicht zusammenarbeiten müssen.

        Im Übrigen kann man dieses Kompliment völlig losgelöst vom Geschlecht anbringen. Egal, ob Mann, Frau, hetereo- oder homosexuell.

        Dieses Kompliment kommentiert nicht das Aussehen, sondern das Verhalten.

        Zitat:
        (Abgesehen davon würd ich sowas nicht mal von meinem Partner hören wollen).

        Ahja. Sehr aufschlussreich.

      • Das würde ich niemals sagen. Und auch nicht denken.

        Du hast eben andere Erfahrungen gemacht (welche auch immer). Meine Erfahrungen sind die, dass eine solche Bemerkung einem Mitarbeiter durchaus zu einem fröhlichen Tag und einer besseren Arbeitsleistung bringen können.

      • Ich finde, zum Lächeln-Kompliment könnte man noch weitere Probleme hinzufügen – eben: je nach Kontext (endlich lächeln Sie mal, meine Stimmung hängt von Ihnen ab etc.)

      • Also manchmal kann ich wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln.

        Wer in das “Lächel-Kompliment” so viel hineininterpretiert, hat ein Problem. Und nicht nur mit dem Lächeln.

        @Philipp: Dass meine Stimmung von den Leuten in der Umgebung abhängt, ist völlig normal und auch trivial.

      • «Wer in das “Lächel-Kompliment” so viel hineininterpretiert, hat ein Problem. Und nicht nur mit dem Lächeln. »

        Und genau das ist der Grund, warum sich Frauen oft nicht wehren. Weil Mann ihnen dann unterstellt, wenn sie xy als Belästigung empfänden, hätten sie wohl ein Problem. Die Reaktion von Seiten des Mannes ist in den allmeisten Fällen dann nicht: Entschuldigung» sondern «mit dir stimmt was nicht, wenn du das nicht so empfindest, wie ich (als Mann) finde, das du das gefälligst zu empfinden hast».

      • Ich würde Dir niemals deine Empfindungen vorschreiben wollen.

        Aber du machst hier echt eine Mücke zum Elefanten. Hol einfach mal tief Luft, ich tu’s auch. Ich werde jetzt mal darüber nachdenken.

        [nachgeschoben: ich betreibe ein Restaurant. Von uns wird erwartet, dass wir die Gäste gut betreuuen. Deswegen geht man nämlich in ein Restaurant, um sich zu “restaurieren”. Das geht nur, wenn man seine eigenen Bedürfnisse erst einmal hinten anstellt. Das mache ich seit über 30 Jahren. Es gibt aber Gäste, die wollen gar nicht betreut werden. Die lasse ich natürlich auch in Ruhe. Das zu erkennen, ist mein Beruf. Ich werde sicher weder dich noch andere Personen, egal welchen Geschlechts, zweimal belästigen.]

  4. Zu Punkt 5.:
    Wenn ich mich entsprechend dieses Gedankenexperimentes in die andere Person hineinversetze um mein eigenes Handeln zu reflektieren bleibt immer noch ein Problem: Woher weiß ich denn ob ich als Handelnder von der anderen Person als unangenehm empfunden werde? Oder ist davon auszugehen, dass die das Kompliment gebende Person immer als unangenehm empfunden würde, damit diese Heuristik funktioniert?

    • In meinem Mathestudium verwendeten wir für Annahmen jeweils OEDA: Ohne Einschränkung der Allgemeinheit. Wenn ich annehme, ich sei für die andere Person unangenehm, kann ich den worst case abdecken. Sonst treffe ich eine Annahme zu meinen Gunsten, die vielleicht falsch ist.
      (Aber das ist nun alles sehr technisch…)

      • Kein Problem mit dem Technischen. Habe auch ein vergleichbaren Hintergrund. ;)

        Das mögliche Problem was ich sehe ist Folgendes:
        1) Attraktive Menschen können in der Regel eher davon ausgehen von anderen Menschen als angenehm eingeschätzt zu werden (das ist m.W. wissenschaftlich gut belegt).
        2) Schüchterne Menschen überlegen sehr viel mehr als andere wie etwas wahrgenommen würde bevor sie etwas sagen/handeln (tlw. hin bis zur gar nicht mal so unverbreiteten Sozialen Phobie).

        In der Praxis könnte diese Heuristik dazu führen, dass weniger attraktive und/oder schüchterne Menschen sich eher isolieren. Selbst wenn die eher attraktiven, extrovertierten Menschen diese Heuristik versuchen zu behelligen, werden sie in der Regel eher mit unreflektiertem Handeln durchkommen, während die Schüchternen (gerade die es übermäßig sind) und die weniger attraktiven, überkompensieren könnten.

        Das nur mal als Gedanke. An sich finde ich deinen Gedankengang ja gut.

      • Demnach sollte man streng logisch mit gar niemandem mehr kommunizieren, da es demjenigen im worst case immer unangenehm sein könnte.

  5. “Übergriff” impliziert, daß eine etwaige Grenze bereits “überschritten” wurde. Mir wäre daher ein anderer Begriff lieber. z.B. “grenzwertig”. Der Unterschied zwischen “eine Grenze erreichen” und sie “übertreten”, sollte stets gemacht werden können. Ein Kompliment ändert die Situation und das Verhältnis zwischen zwei Personen (siehe Argumentation des Blogpost). Es ist daher meiner Meinung nach per Definition “grenzwertig/grenztestend”. Wenn nach einer Klarstellung/Grenzziehung weiterhin Komplimente gemacht werden, wären sie übergriffig. Was meint ihr?

  6. Guten Tag!

    Wenn ich etwas äußere,verlange ich von mir,in der Lage zu sein unmittelbar zu spüren, zu sehen wie mein Gegenüber
    mein an nimmt, bzw. wie seine Reaktion ist;
    meist wissen wir dies im Voraus -.

    Ich wünsche mir in Situationen, in denen es leicht zu Verletzungen kommen kann, mehr Zurücknahme, vielleicht schlichtweg Schweigenzumindest

    • Guten Tag!

      Ich bitte um Verzeihung den Brief nicht beendet zu haben, meine Tastenfunktion hat mich daran gehindert.

      Angewandte Sensibilität im Alltag wünsche ich mir.-

      Einen schönen Sonntag,

      Safena

    • Nicht jeder Mensch kann die Stimmung seines Gegenübers “sehen”. Den meisten fehlt das Training. Bei manchen ist es schlicht eine Krankheit, irgendeine Soziopathologie. Eine freundliche aber klare Grenzziehung ist unabdingbar.

      • Vielleicht ist es einfacher, Dinge zu unterlassen, die sich nicht gehören.
        Das fühlt der Ausübende, wenn er/sie in sich selber aufrichtig ist, mit verbundenen Augen.

        Jeder weiß aus der Schulhofzeit wie weh Verhaltensweisen getan haben, die nicht richtig waren und von als “komisch“ beschrieben wurden. (ich bitte um Nachsicht, die scrollfunktion meines Gerätes funktioniert schlecht)jungen Kindern oder jungen Menschen als “komisch

      • ..Verhaltensweisen, welche von Menschen sich als “irgendwie komisch“ beschrieben werden, da sie Scham besetzt und schwer Grenzüberschreitend gewesen waren; oft sexueller Art hänselnd, demütigend,erniedrigend.

      • Alles richtig. Aber es ersetzt meiner Meinung nach nicht die klare Bitte:

        “Vielen Dank, aber ich möchte keine weiteren Komplimente.”
        oder
        “Ich möchte nicht berührt werden.”

  7. Zitat: “Eigentlich braucht es keine Komplimente. Es reicht meistens, Leistungen zu anerkennen sowie Interesse und Mitgefühl zu zeigen.”

    Ganz toll. Lasst uns alle langsam zu Maschinen und Robotern werden!
    (folgend alles im neutralen, gleichen Tonfall vorstellen)
    “Ihr Auftrag: Füllen sie das Formular aus!”
    – “Erledigt!”
    “Gut gemacht. Der nächste Auftrag: Führen sie ein Telefonat!”
    – “Erledigt!”
    “Hat der Kunde zugesagt?”
    – “Nein.”
    “Schade. Nächster Auftrag: ….!”

    Ganz tolles Arbeitsklima. ;)

    • Ist das die Art Gespräch, die Du mit einem männlichen Kollegen führen würdest? Ich glaube nicht…
      Woher kommt die Idee, man müsse einer Frau in einer gegebenen Situation eine andere Art Kompliment machen, als man es einem Mann in derselben Situation machen würde? Dort fängt es doch an, bei dieser Idee.

      • Nein, ich würde dieses Gesprüch so mit niemanden führen. Ich würde locker und lustig daherreden (ohne sexuelle Witze, aber vielleicht schonmal mit einer “Interessebemerkung”, wie “Oh, interessante neue Frisur!”, aber ohne Hintergedanken).

        Aber der Blog Post liest sich so, als sollte unsere Leben so mechanisch ablaufen.

        Da, wo ich arbeite sind auch viele Frauen, die Kommentare abgeben wie “Oh, Her Müller, sie sind aber ein Schatz!”, wenn eine Aufgabe schneller als erwartet erledigt wurde. Ist das dann Sexismus? Ich finde eher, es trägt eher zur lockeren und entspannten Arbeistweise bei.

      • Ich würde so einen Spruch in diesem Zusammenhang nicht als sexistisch empfinden. Aber dabei spreche ich für mich selber, nicht für “die Frauen”. Aber das weiter oben von Dir genannte “Dein Lächeln macht meinen Tag schöner” oder so ähnlich, das würde ich als sexistisch empfinden und es würde mich nerven. Und noch mehr würde mich nerven zu wissen, dass es eigentlich nett gemeint ist aber trotzdem aus meiner Sicht völlig deplaziert weil ein nicht erbetenes Eindringen in meinen persönlichen Raum. Und man kann sich nicht adäquat gegen dieses unerbetene Eindringen in den persönlichen Raum wehren, gerade weil es nett gemeint ist. Man würde, wenn man sich wehrte, auf totales Unverständnis stossen.

      • Weiss nicht wie man weiter unten Antworten kann, also interessant finde ich “Dein Lächeln ist so schön” als sexistisch zu betrachten. Ich nehme an unter den meisten Umständen könnte man dieses Kompliment als Andeutung eines (sexuellen) Interesses deuten – wobei es ja auch seinen Grund hat so ein Kompliment zu äussern anstelle von “ich würde gerne mit Dir schlafen”, weil es eben unverfänglicher ist. Heisst das jemanden attraktiv zu finden ist sexistisch? Oder zumindest jemanden am Arbeitsplatz attraktiv zu finden ist sexistisch? Ich versuche immer noch zu verstehen welche Regeln Frauen sich nun wirklich wünschen. Flirtverbot am Arbeitsplatz könnte man z.B. als Forderung stellen (denkbar ist alles, es gibt auch Gesellschaften da werden Paare von den Eltern verkuppelt).

      • Es gibt nicht “die Frauen”. Du hast es mit Individuen zu tun. Menschen. Die einen mögen das, was Du als Kompliment verstehst, die anderen mögen es nicht. Die einen mögen auf der Arbeit ein wenig Funken springen lassen und die anderen möchten einfach nur in Ruhe arbeiten und ein nicht sexuelles Verhältnis zu ihren Kollegen pflegen.
        Es ist doch nicht zu viel verlangt, auf sein Gegenüber und seine Reaktionen zu achten und dessen Wünsche zu respektieren?

      • @Björn: Es ist nicht grundsätzlich sexistisch, jemanden attraktiv zu finden. Aber dies jemandem mitzuteilen, kann sexistisch sein – schon nur deshalb, weil eine Person auf ihr Äußeres reduziert wird dadurch. Ist die Beziehung so, dass es einer Person zusteht, das Erscheinungsbild einer anderen zu kommentieren?

  8. Also noch etwas ganz Grundsätzliches, was mir noch durch den Kopf gegangen ist: Da es “die Frauen” als homogene Gruppe nicht gibt (genau so wenig, wie “die Männer”) ist es im Grund auch unsinnig darüber zu diskutieren, wie “die Frauen” ein Kompliment auffassen könnten.
    Frauen sind Individuen ;-) Und am allerbesten fährt mensch vermutlich, wenn er auf die Person eingeht, die ihm gegenübersteht und auf ihre individuellen Reaktionen achtet. Anders ausgedrückt: Wenn er den Menschen sieht, nicht die Frau.

  9. Oh je. Der Trend zur gegenseitigen sozialen Kontrolle und Gleichmacherei geht weiter…

    Komplimente sind eigentlich per Definition nett gemeint. Wer sie sexuell einordnet, selbst wenn sie keine Anspielungen enthalten, hat ein tiefergehendes Problem oder übt inversen Sexismus aus.

    Auf der anderen Seite sind sexistische Komplimente leicht zu erkennen und leicht abzublocken. Sie entlarven ein Intelligenz- oder Charakterproblem des Senders. Wer solche Leute nicht abblockt, der ist mutlos.

    Ich werde mir von der Gesellschaft mein Verhalten nicht vorschreiben lassen. Mein Verhalten ist die Summe meiner Erfahrungen, meiner Empathie, meiner Intelligenz, der Reaktionen anderer auf mein Verhalten.

    Ich entscheide über mein Leben selbst. Dazu gehört eben auch die Gefahr, dass mal ein Kompliment auf halbem Wege verunglückt und falsch aufgenommen wird. Aber auch das lässt sich leicht korrigieren, wenn man kein Sexist ist.

    Sexuelle Anspielungen (ist etwas anderes als Sexismus, der eine Grundhaltung dem anderen Geschlecht gegenüber ist) bedingen einen hohen Grad an Vertrautheit mit dem anderen Menschen.

  10. “Eigentlich braucht es keine Komplimente. Es reicht meistens, Leistungen zu anerkennen sowie Interesse und Mitgefühl zu zeigen.”

    Wie erkennt man denn Leistungen an ohne daß es als Kompliment wirkt? Und Interesse zu zeigen scheint doch genau das zu sein was Frauen stört – zu viel Interesse.

    • Wie im Text beschrieben – ist eine Frage des Kontextes. Erfolgt die Anerkennung innerhalb des Kontextes der Beziehung, dann handelt es sich für mich nicht um einen Übergriff.
      Dasselbe gilt für Interesse, denke ich. »Frauen« (wohl eher: Menschen) stört wohl Interesse an etwas, was für sie außerhalb des Kontextes der Beziehung liegt.

      • Hm naja – ich muss gestehen daß ich daraus keine wirklichen Verhaltensdirektiven ableiten kann. Es bleibt wohl: entweder man versteht sich, oder man versteht sich nicht. Wenn man sich versteht klappt es auch mit den Komplimenten, sonst halt nicht. Aber die Beziehungen zwischen Menschen sind nunmal oft nicht so einfach schwarz weiss. Wenn jeder immer wüsste was der andere denkt wäre es einfach. Aber die Leute drucksen ja eben herum und machen ungeschickte Komplimente, weil sie nicht direkt Fragen wollen. Es gibt so viele Variationen. Z.B. könnte man ja ein Kompliment so formulieren daß der andere die Gelegenheit hat ohne Gesichtsverlust auf beiden Seiten abzulenken. Bei beiderseitigem guten Willen kann dies Funktionieren, genausogut kann der Empfänger gleich auf Sexismus pochen. Genauso kann ein Kompliment hinterhältig sein (heute siehst Du ja mal gut aus -> sonst nicht). Gerade die Vielfalt macht es so schwer allgemeine Aussagen zu treffen.

      • Letztlich ging es um die Frage, ob Komplimente Übergriffe sein können (“wollte ja nur ein Konpliment machen”). Sie können, wie viele kommunikative Handlungen auch. – Die Frage ist: Gibt es Kommunikation ohne Übergriffe? Wohl nicht. – Kann man Wahrscheinlichkeit verkleinern: Ja, indem man versucht, die Perspektive der anderen Person einzunehmen. Und offene Fragen stellt, sich auf andere Menschen einlässt. “Anweisungen” sind das nicht.

  11. Ich mache seit längerem generell keine Komplimente mehr, schon allein, um jedem möglichen Vorwurf der Belästigung aus dem Weg zu gehen – mit Schweigen ist man *immer* auf der sicheren Seite. Empörungswahnigen Leuten wie Ihnen haben wir es zu verdanken, dass es bei fast jedem Wort an das andere Geschlecht eine große Verunsicherung gibt und dass es viele Männer vorziehen, deshalb gar nicht mehr mit Frauen zu sprechen, wenn sie es nicht unbedingt müssen.

    Nach Ihrem Artikel ist jegliche Kommunikation übergriffig, da sie einen Effekt auf andere Menschen hat. Man sollte deshalb das Reden und Schreiben zum Wohl der anderen und das Zuhören und Lesen zum Schutz des eigenen vielleicht ganz einstellen.

    Sie haben Ihr Ziel erreicht, alle Welt hält jetzt endlich die Fresse und geht seiner Wege. Kein nettes Wort mehr zu irgendwem, nur noch betretene Flucht voreinander. Aber wehe, Sie beschweren sich morgen über soziale Kälte! Dann hätten Sie nicht nur geredet und einen Übergriff auf Gehör und Verstand aller Menschen in Hörweite gestartet, sondern Ihrer intellektuellen Kleinlichkeit noch die Legitimation entzogen.

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