Es gibt einige Berufsgruppen, bei denen Menschen oft das Gefühl haben, grundlegende Tätigkeiten besser zu können als ausgebildete Profis. Die Design- und Grafikbranche ist da, so scheint mir, besonders gefährdet. Erscheint ein neues Logo, wie im letzten Sommer das der Swiss, dann erscheinen schnell Kommentare wie der abgebildete:
Der Kommentar scheint mir dahingehend symptomatisch, als dass nicht ansatzweise versucht wird, die Überlegungen und die Arbeit, die hinter einem solchen Logo und Slogan steckt, zu würdigen - und die Kritik differenziert zu formulieren.
Im Folgenden also eine kleine Würdigung der Designbranche - die eigentlich schon im Titel steht: Design ist nicht ein Schmuck, sondern Design ist Funktionalität.
Ausgegangen ist diese Überlegung von Apple. Die Android-Community arbeitet sich oft am Vorurteil ab, Apple Produkte seien zwar hübsch designt, aber gerade das täusche über eine schwächere Leistung hinweg. Ohne über die Frage der Leistung einzugehen: Gerade das Design ist eine große Leistung von Apple. Ein Beispiel: Schon das erste iPhone sah hübsch aus, weil es nur einen Knopf hatte. Dieser eine Knopf war nicht ein Kompromiss, der wegen dem Design erforderlich war - sondern er war eine ästhetische und eine funktionale Entscheidung zugleich. Er vereinfachte die Bedienung radikal und ließ ein hochkomplexes Gerät so einfach werden, dass heute Kinder und Urgroßeltern wie selbstverständlich damit hantieren.
Ein anderes Beispiel sind die Information Architects, die hauptsächlich Webseiten für Newsportale konstruieren. Die Firma mit Schweizer Wurzeln hat eben ihre neue Webseite lanciert, auf der es Responsive Typography gibt, d.h. Schriften, die sich an den Kontext, in dem sie gelesen werden, anpassen. Wer z.B. Oliver Reichenstein auf Twitter folgt, kann miterleben, wie viele Detailüberlegungen dazu führen, dass der Text bzw. die Information im Mittelpunkt einer Webseite steht und eine konzentierte Lektüre erfolgen kann.
Reichenstein ist auch verantwortlich dafür, dass unter meinen Posts keine Share-Buttons mehr zu finden sind, mit denen Texte bei Twitter oder Facebook automatisch weiterempfohlen werden können. Seine Argumente sind so schlagend wie durchdacht.
Design ist kein Schmuck, es ist nicht Dekoration oder Verkleidung: Sondern es macht, dass wir Konzepte verstehen, Instrumente bedienen können, in die richtige Richtung gelenkt werden.
Meine Bewunderung haben all die Designer, ihre Sorgfalt und ihre Auseinandersetzung mit Kunden, die meinen etwas bestimmtes zu wollen, das nicht das ist, was sie brauchen - eine Erfahrung, die alle die machen, die von Textverarbeitungsprogrammen auf LaTeX umsteigen und erst einmal merken, dass sie von vernünftigem Layout von Textdokumenten nicht den Hauch einer Ahnung haben.


