Die Credit Suisse hat im letzten Jahr 1.9 Milliarden Reingewinn erwirtschaftet. Der Bericht auf NZZ Online zeigt schon im Titel, wie enttäuschend dieses Ergebnis ist:
Der Laie fragt sich, was daran enttäuschend sein soll, wenn ein Unternehmen einen Gewinn von fast 2 Milliarden erzielt. Im Folgenden drei Antworten:
- Entscheidend ist nicht der Gewinn, sondern Kennzahlen wie die Eigenkapitalrendite. Die beträgt bei der Credit Suisse 6%. Heißt stark vereinfacht: Wer in die CS Geld investiert, erhält dafür einen Zins von 6% (diese Aussage ist leicht paradox, weil die CS eine Bank ist, die natürlich Guthaben mit viel weniger als 6% verzinst). Ist die Eigenkapitalrendite zu tief, so könnte man mit dem Geld sinnvollere Investitionen tätigen, als eine Bank zu betreiben; es wäre also sinnlos, die Bank weiterzuführen. Der absolute Wert des Gewinns muss immer in Relation zum Geld gesehen werden, das in einem Unternehmen drinsteckt.
- Entscheidend sind nicht die realen Ergebnisse eines Unternehmens, sondern die Erwartungen der Anleger, die Aktionäre. Der reale Markt wurde abgelöst von einem Erwartungsmarkt. Das ist letztlich auch die Idee des Shareholder Values. Wenn also die Anleger mehr Gewinn als 2 Milliarden erwarten, dann sind 2 Milliarden enttäuschend.
- Ulf Schmidt weist darauf hin, dass wir in der Geschichte des Geldes an einem Punkt angelangt sind, wo Geld nur noch Datensätzen entspricht. Vereinfacht gesagt hat Geld nur noch einen Wert, wenn wir in Geld vertrauen. Ein Beispiel: Wenn wir Geld bei der Bank als Spareinlage deponieren, so könnten wir naiverweise denken, die Bank würde dieses Geld auch wieder verleihen. Tatsächlich verleiht sie dieses Geld ziemlich genau 33 Mal weiter: 33 Menschen bekommen Geld von der Bank und denken, die Bank hätte dieses Geld - dabei hat sie es nur ein Mal. Der Gewinn ist nicht mehr als ein Datensatz und nicht mehr als ein Symbol. Das Symbol muss Vertrauen schaffen - offenbar gelingt das den gültigen Datensätzen nicht.
Mit Punkt 1 und 2 bin ich einverstanden. Beim Punkt 3 ist das Beispiel nicht korrekt. Unter den neuen Bankregeln (“Basel III”) muss das Kerneigenkapital mindestens 3% der Bilanzsumme betragen (d.h. ein sogenanntes Leverage Ratio von 33.3). Dies bedeutet, dass eine Bank, die 970 Fremdkapital haben möchte (z.B. Einlagen von uns Sparern), mindestens 30 Eigenkapital (Aktienkapital) haben muss. Dies heisst jedoch nicht, dass eine Bank eine Einlage 33 Mal verleihen kann.
Es ist schon so, dass Geld oft nur noch Datensätze sind. Dies ist z.B. bei den Zentralbanken (z.B. Schweizer Nationalbank) ersichtlich: Wenn von “Notenpresse anwerfen” die Rede ist, wird in Wahrheit Geld per Knopfdruck im Computer geschöpft. Sogar Geschäftsbanken (UBS, CS etc.) können über die Kreditvergabe Geld schöpfen.
Danke für diese Korrektur. Ich habe mich an Wikipedia orientiert - http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_III#Einf.C3.BChrung_einer_Verschuldungsgrenze_.28Leverage-Ratio.29 - das aber offenbar falsch verstanden.
Angenommen wir denken uns eine Bank ganz einfach: Sie erhält Geld von Sparern und verleiht es zu höheren Zinsen. Kann sie dann heute erhaltenes Geld mehrfach verleihen? Und wie oft?
So funktioniert die Kreditgewährung ja sowieso nicht – die Bank betreibt durch Kreditgewährung selbst Geldschöpfung.
Das ist mir schon klar. Aber die Bank darf ja nicht einfach beliebig viel Geld durch Kreditvergabe schöpfen, oder?
1. Investieren (z.B. Aktien kaufen) ist keine Sünde sondern etwas Sinnvolles.
2. Wer investiert, der will logischerweise etwas davon haben. Deshalb spielen die Erwartungen eine Rolle. Wer von euch würde in einen Rohrkrepierer oder einen lamen Gaul investieren?
3. Wettbewerb als wesentliches Element der freien Marktwirtschaft ist sinnvoll. Denn Wettbewerb fördert Innovationen und spornt Unternehmen dazu an die Produktivität und Effizienz ihres Betriebs zu steigern. Das ist ein ständiger Prozess, wer rastet, der rostet. Folglich spielt es für einen Investor natürlich auch eine Rolle wie ein Unternehmen im Vergleich zu vergleichbaren Unternehmen der selben Branche gewirtschaftet hat und wie die Zukunftsaussichten (da kommen wieder die Erwartungen ins Spiel) sind.
4. Vertrauen ist ein wichtiges Gut. Wer will schon mit jemandem Geschäfte machen, dem er misstraut bzw. dem er Übles zutraut? Wer sein Vertrauen verspielt, hat darunter zu leiden. Das ist gut so, denn so sieht er sich gezwungen vertrauensbildende Massnahmen zu ergreifen. Es gibt somit eine Art Selbstheilungsprozess im System.
Nochwas: Man auch noch sehen, dass ein Unternehmen mit seinem Aktienkapital haftet. Aktionäre gehem mit ihrem Investment ein Risiko ein. Sie sind im Konkursfall schlechter gestellt als Fremdkapitalgeber. Wieso riskieren Menschen etwas? Aus Selbstlosigkeit, einem Akt der Nächstenliebe, einem überdimensionierten sozialen Bewusstsein oder weil sie sich etwas davon versprechen? Auch eingegangenes Risiko soll rentieren.