Die Schweiz - eine Zunft?

Vor dem Sechseläuten kriegt man immer wieder vorgeführt, wie Zünfte funktionieren: Die Reichen, Mächtigen und Alteingesessenen bleiben gerne unter sich, um weiterhin zu bleiben, was sie sind. Wer dazugehört, bestimmen nicht Regeln, sondern die, die schon dazugehören.
Das ist die Vorstellung, die rechtskonservative Kreise auch von der Schweiz haben. Die Fragen, ob Wohlstand und Macht verdient sind oder allenfalls geteilt werden müssen, ob Migration nicht eher ein Recht als ein Verbrechen sein könnte und ob es legitim ist, Steuerzahlenden die Mitsprache zu verwehren, diese Fragen werden ignoriert, als handle es sich bei der Schweiz um eine Zunft, deren einzige Existenzberechtigung es ist, einmal im Jahr um eine Schneemannpuppe zu reiten.

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6 Gedanken zu “Die Schweiz - eine Zunft?

  1. ich frag mich grad, ob entsprechende kreise immigranten eigentlich unbewusst auch eine art von fahnenflucht vorwerfen..

    • Natürlich tun sie das! Der Zünfter bindet sein Schicksal „von der Wiege bis zur Bahre“ an seine Vaterstadt, darum fühlt er sich nur schamanischen afrikanischen Stammeskriegern ebenbürtig, die auf ähnliche Weise bis zum Tode auf ihrem Posten ausharren wollen. Jeder der sich bewegt, ist ein „dahergelaufener“. Die „Notwendigkeit der Immigration“ und das „Recht auf Immigration“ ist eine Chimäre von lendenlahmen Sozis, die ihren Partnerinnen nicht genug Kinder machen wollen, um den Staat durch Einheimische zu erhalten.

  2. haben diese zünfte überhaupt noch was zu melden? sind die im vergleich zum berühmtberüchtigten zürcher fdp filz von vor 30 jahren nicht nur noch reine folklore?

    und warum quengelt herr leutenegger seit jahren (als einziger) so unappetitlich, um da reinzukommen?

  3. @Wampfler: Bravo, du hast was wesentliches erkannt. Die zünfte, als sich durch Zuwahl (kooptation) ergänzende Körperschaften sind das Rückgrat des Standes Zürich. Sie haben theoretisch nichts mehr zu husten, schon seit dem späten 19. Jahrhundert (vor 1869) waren sie noch Wahlkreise für Grossratssitze (wenn ich nicht irre). Und wenn Du etwas ehrlich wärst, dann müsstest du zugeben, dass auch Du in einer „Zunft“ lebst: einem selbstgewählten Kreis von Freunden, zu dem ich zum Bsp. kaum automatischen Zutritt hätte. Dieses genossenschaftliche Prinzip spiegelt sich auch in der Kooptation bei der Einbürgerung: jede Gemeinde hat das souveräne Recht zu entscheiden, wen sie als Vollbürger aufnehmen will. Die Wurzel dieses Prinzips findet sich in den „Uerten“ und Korporationen der Innerschweiz, die grossartige Institutionen sind zur nachhaltigen Nutzung der Naturressourcen. Mehr dazu findest Du hier:
    http://willensnation.blogspot.com/2011/03/uertech-inbegriff-der-swissness.html
    Richtig heisst dein Satz: nicht die Schweiz ist eine Zunft, sundern die die Orte (Kantone) der eidgenossenschaft sind ein konglomerat von Uerten. Das wirst Du nicht verstehen wollen, weil in Deinem Kopf die Welt erst 1789 entstanden ist, vorher nur Dummheit und Unwissen herrschten.

  4. Und hier aus Deinem „Ideologie-Statement“ wird klar, dass Du die spezifische Form schweizerischer Staatlichkeit noch nicht ganz begriffen hast: „Diese Chancengleichheit soll vor nationalen Interessen stehen. Staatliche Institutionen sind meiner Meinung nach am besten in der Lage, diese Chancengleichheit herbeizuführen, ihre Arbeit soll transparent sein, unabhängig und gerecht finanziert werden.“
    Eine „Gleichheit, die vor nationalen Interessen steht“ gibt es nur in der Kirche: in Christo sind alle gleich, aber in öffentlichen Dingen - wie in deinem Freundeskreis - gibt es Unterschiede, die historisch gewachsen sind. Aber ich wette: Du gehörst zu jenen, die aus der Kirche ausgetreten sind und nun eine religiöse Erwartung (Gleichheitsgarantie für alle) an den Staat oder an die UNO und EU entwickelt hast, wo Du die besten der Gutmenschen vermutest.

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