Die Swiss Twittercharts und ihre Nummer 1: @felnzz

Ranglisten. Total daneben, natürlich. Weil: Wie soll man messen, wer wie gut. So wohl der allgemeine Konsens. Gerade auch bei Twitter: Schließlich twittert jede(r) aus einem anderen Grund, hat einen anderen Stil, eine andere LeserInnenschaft etc. – weshalb sollte da eine Rangliste überhaupt erstellt werden?

Da kann man nun doch einen guten Grund angeben: Meiner Meinung nach macht Twittern auch spannend, dass man das Denken/Lesen/Schreiben von Menschen verfolgen kann, die man im Reallife nie kennen lernen würde und für die man sich auch nicht interessieren würde. Nun will man sich natürlich mit diesen Menschen nicht ständig auseinandersetzen, sondern immer mal wieder neue finden: Und so macht es durchaus Sinn, in einer Rangliste den Einfluss bestimmter Twitterer festzuhalten.

@Hetty hat auf der Seite twittercharts.ch eine solche Rangliste erstellt, die wöchentlich aktualisiert wird. Auch wenn ich gerne zugebe, dass eine solche Rangliste zu erstellen und einen entsprechenden Algorithmus zu basteln keine ganz einfache Aufgabe ist (wie will man den »Einfluss« oder die »Bedeutung« von Leuten, die twittern, messen?) – so gibt es doch zwei Probleme mit dieser Rangliste:

  1. Der Algorithmus ist nicht transparent - man weiß aus Gründen, die nicht nachvollziehbar nicht, wie die Rangliste entsteht.
  2. Der Betreiber der Seite reagiert in letzter Zeit kaum auf Probleme beim Erstellen der Charts.

Darum gehts aber nicht hauptsächlich: Eigentlich wollte ich kurz darauf eingehen, was denn der Spitzenreiter dieser Charts so twittert. Ich lasse die direkten @-Replies weg, und zitiere kurz seine letzten 12 Tweets. Vielleicht sollte man vorher anmerken, dass es sich um einen NZZ-Journalisten handelt: Um Markus Felber.

Die drei Damen am Nebentisch zählen zusammen gut 250 Jahre und die aufgetragene Schminke hätte früher ihren Jahresbedarf gedeckt…

Herzlichen Dank für alle RTs, DMs etc. zu meiner heutigen Placierung auf http://twittercharts.ch

Wenn das Verfolgen der Verfolger (moralische) Pflicht wird, sind wir faktisch wieder bei Facebock !

Auch nicht wenn’s ein Mücker war? ~~~ RT @eine_wie_keine: Was nicht unter sexuelle Belästigung fällt: Mückenstich neben Brustwarze

Befürchte Inzuchtschäden… ~~~ RT @RAinBraun: Gibt es eigentlich auch Partnerbörsen nur für Rechtsanwälte? Marktlücke? #JU

Eine zivilisierte Gesellschaft braucht kein Faustrecht. Das macht die Justiz.

Im alten Rom wurde auf dem Marktplatz Recht gesprochen. Die geheime Kabinettsjustiz wurde viel später erfunden.

Hübsch aber eher unpraktisch so ein kleiner Arsch… ~~~ RT @Emillota Meine tweets werden mir unter dem Hintern weggezogen.

Ein Shampoo für schuldenfreies Haar? Dafür würde ich sogar Schuppen machen…

Wer mich richtig ärgern will, kauft mir ein iPhone, bestreicht es mit Nutella und packt das Ganze in Zuckerwatte.

Warum ich die zitiere? Weil ich dem Account eine Weile gefolgt bin. NZZ-Schreiber. Bundesgericht. Klingt spannend. Wäre es auch. Und doch scheinen mir hier Witze, die man in eine persönliche Konversation durchaus einfügen kann, noch durch zwei juristische Bemerkungen aufgelockert. Irgendwie sehr dünn und sehr belanglos. Keine spannenden Links, keine Aussagen, nichts Aktuelles – aber die Nr. 1 in der Schweiz.

(Ja, dieser Post ist eine Kritik. An Twitter. An der Schweiz. Und wohl auch an mir: Dass ich über solche Dinge einen solchen Text schreibe, anstatt ein gutes Buch (via Nation of Swine) zu lesen.)

Update: Markus Felber denkt selber über ähnliche Themen in einem »Kalenderblatt« nach. Er schreibt dort:

Wichtiges und Interessantes zu vermitteln ist sicher eine Möglichkeit von Twitter. Es können aber auch ganz einfach soziale Kontakte gepflegt und neue geknüpft werden. Eine weitere Option ist der fachliche Gedankenaustausch – in meinem Fall unter Juristen – auch über Landesgrenzen hinweg. Und schliesslich eignet sich Twitter auch für etwas, das ich nur in Schweizerdeutsch präzis umschreiben kann: “geistig Sändele”. Persönlich nutze ich alle diese Möglichkeiten sehr intensiv und mit Genuss.

2 thoughts on “Die Swiss Twittercharts und ihre Nummer 1: @felnzz

  1. Seh ich ähnlich. Ich habe die Twittercharts als erste Orientierung verwendet und bin einigen daraus gefolgt. Mit der Zeit habe ich aber meine eigene Rangliste entwickelt. Meine Timeline ist sehr dynamisch. Genau das gefällt mir an Twitter, dass man sich so gezielt genau das rausfiltern kann, was einen interessiert.

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