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Beiträge vom Februar 2010

Multimedial: Stieg Larssons »Millennium-Trilogie«

Februar 25, 2010 · 1 Kommentar

Die Ferien sind vorbei - und damit auch die Zeit des sündigen Lesens von - man könnte es wohl auch anders sagen - »Schund«. Auf eine ganz spezielle Art und Weise habe ich mir Larssons Trilogie reingezogen: Den ersten Teil als Film (schwedisch mit Untertiteln), den zweiten Teil halb als Hörbuch (Deutsch), halb als Kindle-Buch (Englisch) auf dem iPhone und den dritten Teil ganz als E-Book (Englisch). Und mein Eindruck: Es spielt gar keine Rolle, in welcher Medienform man sich diesen Thrillern nähert; weder von der Sprache her (nun gut, Skandinavisch klingt in allen Varianten immer recht attraktiv, aber so anders nun auch nicht) noch vom Inhalt (Film und Hörbuch sind doch stark gekürzt).

Woran liegt das? Erstens wohl daran, dass die Bücher nicht besonders gut geschrieben sind. Zumindest in der englischen Übersetzung. Formulierungen werden repetitiv eingesetzt (Lisbeth Salander ist immer »resourceful«, Frauen werden despektierlich immer als »whore« bezeichnet, aber auch ganze Sätze werden wiederholt), die Texte sind bis ins Detail redundant und lassen keine Fragen offen, alles hat einen Preis, jede Quelle wird genannt, alle Beteiligten haben eine Biographie etc. Zweitens liegt es wohl auch daran, dass vor allem der zweite und dritte Teil eigentlich ein Buch sein sollten - die Hälfte des dritten Teils ist eine Wiederholung der Geschehnisse des zweiten Bandes.

Dann aber noch drei Bemerkungen zu den Büchern:

  1. Die Titel.
    Schwedisch: Män som hatar kvinnor (Männer, die Frauen hassen) - Flickan som lekte med elden (Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte) - Luftslottet som sprängdes (Das Luftschloss, das gesprengt wurde)
    Deutsch: Verblendung - Verdammnis - Vergebung
    Englisch: The Girl with the Dragon Tatoo - The Girl Who Played with Fire - The Girl Who Kicked the Hornets’ Nest.
    Was macht man sich darauf für einen Reim? Verlage finden offenbar gewisse Titel besser als andere. Insbesondere die deutschen Titel könnte kaum hirnrissiger sein (z.B. Vergebung) - und eigentlich, wenn man die Bücher und den Autor ernst nähme, spräche nichts dagegen, die Titel zu übersetzen.
  2. Lisbeth Salander.
    Sie musste sich - ich spoile etwas - mitansehen, wie ihre Mutter von ihrem Vater missbraucht wurde, worauf sie den Vater umbringen wollte, danach von sadistischen Psychiatern in Heimen gefoltert wurde - um schließlich eine fast-autistische, sexuell experimentierfreudige und mit einem fotographischen Gedächtnis ausgestattete Hackerin zu werden. Larsson hat offenbar daran gedacht, Astrid Lindgren eine Reverenz und eine Referenz zu erweisen und Lisbeth als eine Art postmoderne Pippi Langstrumpf (englisch Longstocking, schwedisch Långstrump) zu gestalten (sie kleidet sich speziell, wohnt in einer Art Villa, ist reich etc.) - was nun natürlich noch nicht besonders bemerkenswert ist.
    Bemerkenswert finde ich
    1.) Lisbeth Salander ist keine Lesbe (Männer mit kranken Phantasien bezeichnen sie in Band 2 und 3 als »lesbische Satanistin«, was immer leicht komisch wirkt), sondern sie ist in ihrer Sexualität einfach offen (z.B. gegenüber älteren Männern, Frauen). Kommt nun aber der Held der Trilogie, Blomkvist, ihr etwas näher, so erliegt sie der Versuchung der heterosexuellen Schließung - mit ihm, so könnte man nach ihrer Enttäuschung, dass Blomkvist nämlich untreu ist, schließen, hätte sie auch ein bürgerliches Leben mit grossen Brüsten geführt (die kauft sie sich nämlich am Anfang des zweiten Bandes). Fazit: Eine Figur, die in Bezug auf sexuelle Identität und Orientierung offen sein könnte, ist es eigentlich doch nicht.
    2.) Salander ist Hackerin (alle Bücher drehen sich um Frauen, denen Unrecht getan wird - insofern erstaunt es nicht, dass Salander in eine Männerdomäne eindringt oder eingedrungen ist). Tobias Moorstedt hebt in einem Blogpost hervor, dass »Hacken eine Lebenseinstellung und eine Kulturtechnik von enormer Potenz« sei, eine »Überblendung von Mensch und Maschine, von Ich und Information«. Generell kann man sagen, dass das Hacker-Dasein Salanders ihr anarchistisches und widerständiges Potential akzentuiert - im Netz hält sie sich an keine Gesetze und Regeln, sie rebelliert gegen das System, indem sie es hackt. Diese »Lebenseinstellung« nun als Kulturtechnik zu sehen, ist durchaus eine erfrischende Perspektive. Salander sabotiert zwar nichts, aber sie braucht ihre Skills immer genau dann, wenn sie selber daraus einen Nutzen ziehen kann. Ihre Hackerfreunde bezahlt sie für ihre Dienste, kulturell oder konstruktiv scheint in diesem Gebiet niemand zu wirken (was keine Rückschlüsse auf die Hacker-Szene zulässt, das sei zugegeben). Man dürfte sich aber - und nun abseits der Romane gesprochen - durchaus mehr HackerInnen wünschen heutzutage. Es ist ja nicht so, dass wir einen Mangel an Leuten haben, die sich im System bewegen, die Mensch und Maschine, Ich und Information trennen. Wir bräuchten mehr, welche hier Verschmelzungen einzugehen bereit sind.

  3. Bottom Line: Schweden hat politische Probleme, z.B. kein Verfassungsgericht. Die Schweiz hat das z.B. auch nicht und die Probleme Schwedens sind wohl auch die Probleme der Schweiz, diesbezüglich. Nun schlägt Larsson Folgendes vor: Mit unlauteren Methoden wehrt sich eine Hackerin gegen ihr zugefügtes Unrecht und nimmt Rache, und ein Journalist hilft ihr dabei, weil er der Regierung grundsätzlich misstraut und das als zentrale Aufgabe der Presse ansieht. Das mag für einen Thriller funktionieren - ganz allgemein wünsche ich mir aber weiterhin, das Thema Rache wäre weniger präsent. Mir zugefügtes Unrecht wird nicht weniger, sondern mehr Unrecht, wenn ich mich dafür räche…

(Note to self: Es ist spät. Morgen nochmal durchlesen und überarbeiten… Übrigens ist das der erste mit Chrome erstellte Post.)

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Filter- und Redundanzprobleme: Oder die Buzz - Twitter - 4sq - Facebook - Frage

Februar 18, 2010 · 2 Kommentare

Nun gibt es also noch Buzz, und ich muss kein Konto einrichten, sondern kann mit meinem Gmail-Account gleich loslegen. Gesagt, gebuzzt: Und gleich auch noch Twitter eingebunden.

Nun passierte also das: Ich wurde bei Foursquare Mayor von irgendwas. — Gut, vielleicht ein paar Begriffserklärungen vorweg:

Buzz: Die Möglichkeit von Google, andereren Usern zu kommunizieren, was man grad so denkt, fühlt, liest etc.

Foursquare: Mobile Applikation (z.B. auf iPhone), die per GPS erlaubt an gewissen Orten (die man selbst erstellen kann) »einzuchecken«, d.h. anderen Usern mitzuteilen, dass man gerade dort ist. Warum würde man das tun? Um Beispielsweise Tipps zu diesem Ort abgeben und lesen zu können, oder weil man zu viel Zeit hat, oder weil man grad ein iPhone hat. Wer am meisten einen Ort besucht hat, wir dessen Mayor.

Twitter: Darauf bin ich hier schon mal eingegangen.

Also, zurück zum Beispiel: Ich werde Mayor. Diese Tatsache wird automatisch per Twitter weiterverbreitet, mein Twitterfeed wird automatisch in Buzz eingefügt - und wenn ich will sogar automatisch auch in Facebook.

Wer nun mich also auf Foursquare, Twitter, Facebook und Buzz verfolgt, liest vier Mal dasselbe. Wer nur an einem Ort mein Freund ist, nur einmal.

Wie soll man mit dem Problem umgehen?

Bisher ist mir keine Lösung bekannt. Prominente Social-Media-Experten raten, generelle Verknüpfungen auszuschalten (z.B. Sascha Lobo). Die Frage wäre dann: Wofür brauche ich Twitter - Buzz - Facebook? Warum will ich drei verschiedene Medien brauchen? Wie sortiere ich genau meine Botschaften?

Als das scheint mir noch klärungsbedürftig. Irgendwann werden wir wohl nur noch etwas brauchen: Und ich tippe mal auf Google. Oder wir können wegfiltern, was wir nicht lesen wollen.

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Dario Cologna und Doping im Langlauf - eine Wiederaufnahme

Februar 16, 2010 · 2 Kommentare

Ich musste im Archiv etwas suchen, bis ich meinen Blogpost vom letzten März fand, in dem ich fragte, wie es denn um die Möglichkeit stehe, dass Dario Cologna gedopt sein könnte. Auf meinem alten Blog (der bei der Google-Suche nach „Cologna Doping“ der erste Hit ist) fordert M. Lerjen heute Beweise für meine Unterstellung.

Um dieser Forderung begegnen zu können, nehme ich das Thema auf und mache drei Bemerkungen dazu:

  1. Da ich weder Zugang zu Colognas Blut- resp. Urinproben habe und zudem nicht über das Know-How verfüge, solche Proben in irgendeiner Weise auswerten zu können, verfüge ich über keine Beweise (Zugang zu den schwarzen Akten der FIS und WADA habe ich leider auch nicht).
  2. Meine Unterstellung ist ein Analogie-Schluss:
    a) Cologna gewann letztes Jahr zwei der prestigeträchtigsten Wertungen (Tour de Ski und Gesamtweltcup) und wird dieses Jahr Olympiasieger.
    b) Im Langlaufsport tummeln sich Dopingsünder, siehe z.B. hier (Christian Hoffmann, Österreich) und hier (Alena Sidko, Russland).
    c) Cologna weist (wie z.B. auch Northug) ein zyklisches Leistungsvermögen auf, das mit einer Formkurve erklärt wird (während Cologna vor der Olympia nicht ganz zu den besten gehörte, Northug aber schon, ist es jetzt umgekehrt) - welches sich aber eben so gut mit einem langfristig angelegten Dopingplan begründen liesse.
  3. Ich bin nicht ganz der einzige, welcher solche Bedenken äußert:
    a) Eine sportmedizinische Untersuchung von 2003 stellte fest, dass von Medalliengewinnern ca. 50% gedopt seien.
    b) Als 2001 die Finnen des systematischen Dopings überführt wurden, sagten sie erstens, sie hätten nicht gedopt, wenn sie gewusst hätten, dass ihre Art zu dopen nachweisbar sei, und sie seien zweitens sicher, Doping würde »allgemein in der ganzen Skiwelt angewandt«.
    c) Vor den Winterspielen in Vancouver wurde (z.B. hier) die Befürchtung laut, ein Dopingskandal könnte die Spiele in ein schlechtes Licht rücken - ein Langlaufdopingskandal, um genau zu sein.

Trotz dieser Vermutung - offenbar werden die Sportler ausgiebig getestet. Nur: Kennen wir das Spiel aus dem Radsport nicht längst? Man dopt so lange mit dem neuesten Material, bis dafür ein Test entwickelt worden ist, und steigt dann auf die neuere Version um - ein paar Dumme wirds halt dabei erwischen.

Fazit: Auch wenn ich keinen Beweis erbringen kann - ich bin überzeugt davon, dass Dario Cologna gedopt ist.

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Presserat: Meine erste Beschwerde

Februar 14, 2010 · 6 Kommentare

Nach einem heiteren Tag auf den Skis - beschwere ich mich durchaus ernsthaft bei Schweizerischen Presserat: Der Abdruck von Briefen von Eltern an ihre Babys, die sie an einer Babyklappe abgeben durch Das Magazin gehört zum ethisch Verwerflichsten, was ich in den letzten Jahren in Medien gelesen habe.

Hier also meine Beschwerde (Ergänzung 16. 2.: Da ich die Beschwerde in Hardcopy einschicken muss, habe ich sie leicht überarbeitet, die eingeschickte Versionen findet sich hier):

Sachverhalt:
Am 6. Februar 2010 hat »Das Magazin« der TAMEDIA nach einer kurzen Einleitung (http://dasmagazin.ch/index.php/alles-uber-meine-mutter/) vier Briefe abgedruckt, welche der Einleitung zufolge in der Babyklappe in Lübeck (Deutschland) abgegeben worden sind. Einer dieser Briefe wurde zuvor (am 27. Dezember 2009) in Deutschland schon von Bild am Sonntag abgedruckt (http://www.bild.de/BILD/news/2009/12/27/brief-einer-mutter/an-ihr-weggebenes-baby-babyklappe.html).
Die Briefe wurden von Eltern oder einem Elternteil von Babys verfasst, welche an der betreffenden Babyklappe abgegeben worden sind. Aus den Briefen lässt sich weder die Identität der Babys noch die der Mutter (bzw. des Vaters) rekonstruieren; es handelt sich aber um äußerst intime Briefe in denen die Beweggründe für das Vorgehen der Eltern dargelegt werden.
Begründung:

Persönliche Briefe dürfen nur mit dem Einverständnis der Verfasser und der Adressaten der Briefe abgedruckt werden - um ihre Privatsphäre zu schützen (Punkt 7 der Erklärung des Presserats). Die Entscheidung von Eltern, ein Kind wegzugeben, gehört zu den privatesten Entscheidungen, die überhaupt möglich sind. Eine Veröffentlichung solch intimer Gedankengänge (welche als Brief an eine lebende Person verfasst worden sind), verletzt m.E. sowohl die Privatsphäre des Babys (siehe auch Punkt 7.4) als auch die der Eltern - es sei denn, die Redaktion von Das Magazin kann geltend machen, sowohl die Einwilligung der Eltern als auch diejenige der gesetzlichen Vertreter der Babys eingeholt zu haben.

Darüber hinaus wird die Menschenwürde eines Kindes (Punkt 8 der Erklärung), welches von seinen Eltern nicht aufgezogen werden kann oder dessen Eltern sich dieser Pflicht entziehen wollen, massiv beeinträchtigt - auch wenn dies anonym geschieht.
Im konkreten Fall kann m.E. kein Recht der Öffentlichkeit auf Information geltend gemacht werden. In den Briefen ist keine Information enthalten, nach welcher ein konkretes öffentliches Interesse verlangt, zumal es sich um Personen handelt, die öffentlich nicht bekannt sind. Eine sachliche Berichterstattung über das Phänomen »Babyklappe« hätte dieselben Informationen enthalten können, ohne die Briefe abdrucken zu müssen.

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Serien, die ich schaue

Februar 5, 2010 · 5 Kommentare

Ohne zu einem theoretischen Exkurs anzusetzen, welche narrativen Möglichkeiten Serien (im Gegensatz zu Filmen; oder auch zu Romanen) zur Verfügung stehen (um daraus abzuleiten, dass Serien DAS zeitgemäße kulturelle Format schlechthin sind), liste ich einfach mal auf, welche Serien ich mir anschaue und was ich davon halte. Generell einfach noch die Bemerkung, dass man sich abgeschlossene Serien aussuchen sollte - auf weitere Folgen warten zu müssen, ist mehr als nervtötend.

Police and Thieves

1) The Wire. Sozialstudie, Stadtentwicklung, Beziehungsanalyse, Demontage von Rollenbildern - The Wire ist mehrschichtig, und doch durch die unglaublich genauen Charaktere einprägsam. (Die Macher von The Wire haben ein neues Projekt, Treme.) Hier nur die Sprechweise von Senator Clay Davis:

2) The Sopranos. Call it a tie - The Wire und The Sopranos würde ich jedes Jahr wiederschauen, wenn ich die Zeit dazu hätte. The Sopranos ist eigentlich ein Roman - und die letzte Folge ist ein großer Moment in der Filmgeschichte. Aber ja: Man muss alle vorherigen auch gesehen haben, um sie schätzen zu können.

3) The Shield. Korrupte Polizisten in LA, die sich und ihr Umfeld zerstören. Während einzelne Staffeln großen Zug haben, wird am Schluss das Muster etwas repetitiv.

Drama

1) Damages. Eine ganz moderne Serie, sowohl was die Filmsprache anbelangt als auch das Setting. Glenn Close (die auch in The Shield eine Staffel lang mitspielt) verleiht der Anwältin Patty Hewes Klasse - und eine Art von Aggressivität, die diesen Charakter unvergesslich macht. Eine Anwaltsserie ohne Gerichtsszenen - und mit Anwältinnen, welche das Sagen haben.

2) The West Wing. Die Serie führt einen fiktionalen amerikansichen Präsident (liberaler Demokrat) und sein Team ein. Politisch breit angelegt und klar ausgerichtet - ideal für einen vertieften Einblick in die amerikanische Regierung und ihre Funktionsweise; sensationelle Dialoge. (Und den Machern von »Der große Kater« wäre zu raten gewesen, sich einmal eine Folge West Wing anzusehen, bevor sie einen Film über einen Bundesrat machen.)

3) Breaking Bad. Ein krebskranker Chemielehrer stellt Drogen her. Klingt etwas klischeehaft, ist es aber nicht. Die Serie deckt ein großes Spektrum ab: Suspense mischt sich mit dramatischen, ergreifenden Momenten - um den Zuschauer dann wieder lachen zu lassen.

4) Mad Men. Viel gelobte Serie, vor allem wegen des unvergesslichen frühen 60er-Jahre Stils, in dem sie angelegt ist. Letztlich überzeugt mich aber der Konkurrenzkampf der Werber nicht, die Aktualitätsbezüge scheinen mir platt und die Entwicklung über eine Staffel hinweg zu zögerlich. But then again - ich hab noch nicht alle Folgen gesehen.

5) In Treatment. Die Serie zeigt nichts als einen Psychiater mit seinen Patienten. Was sich formal spannend anhört, ist es gepaart mit an den Haaren herbeigezogenen Geschichten eher weniger.

6) Six Feet Under. Eigentlich (nach Beverly Hills 90210) meine Einführung ins Seriengeschäft. Feinfühlig erzählt mit glaubwürdigen Charakterentwicklungen - und mit dem Tod im Mittelpunkt. Auch Six Feet Under erzählt das, was man früher mit einem Roman erzählt hätte.

Comedy

1) Eastbound & Down. Kenny Powers ist eine Baseball-Legende und unterrichtet nun an seiner alten High School. Zwar recht kurz, kommt aber bald wieder. Selten so gelacht; man muss aber ein Flair für kruden amerikanischen Humor haben.

http://www.youtube.com/watch?v=VUiOP3-m2oM

2) Weeds. Eine Witwe beginnt Gras zu verkaufen - und ist bald mittendrin im Drogengeschäft. Anfangs sehr unterhaltsam, dann bald eher lahm und grotesk, vor allem auch in der 5. Staffel.

3) Stromberg. Der Pseudodokumentarstil gets me every time. Stellenweise etwas zäh, aber immer wieder erfrischende Darstellung des »Bullshits« dem wir täglich ausgesetzt sind.

4) Arrested Development. Eine Familienunternehmen in der Krise. Unvergesslicher Einsatz des Segways, stellenweise urkomisch, gegen Ende aber auch wieder eher grotesk.

5) Curb Your Enthusiasm. Larry David ist der Erfinder von Seinfeld - und nun sieht man sein Leben danach: Das Leben eines reichen, sozial etwas unverständigen Juden - die Seherfahrung ist konstantes Fremdschämen, wenn das Wort noch erlaubt ist.

6) Californication. Okay, David Duchovny ist ein sexbesessener Schriftsteller. Nach einer Staffel hab ich mich noch durch drei, vier Folgen gequält - und dann nicht mehr.

7) How I Met Your Mother. Eine Sitcom - much talked about und die ersten zwei, drei Staffeln sehr unterhaltsam. Aber dann gehen den Schreibern die Ideen aus und alle waren schon mit allen einmal zusammen, haben sich getrennt - und sind wieder zusammengekommen, um sich noch einmal zu trennen. Und ja: Sie haben alles in der Rückblende erzählt. Total ausgelutscht.

Auch noch gesehen, ohne überzeugt zu sein

(vieles, was in der Schweiz am Fernsehen gelaufen ist und läuft)

Deadwood, Westernserie

Türkisch für Anfänger, Intergrationscomedy

Homicide, Polizeidrama

Lost, whatever that is

Two and a Half Men

Entourage, Comedy

True Blood, Vampirdrama

Hinzugefügt, auf Kommentaranregung: 24 (drei ganze Staffeln gesehen, dann irgendwie genug gehabt von you-fucking-piece-of-shit-tell-me-or-I’ll-shoot-you-in-the-knee-Jack Bauer.

Noch auf der Liste

OZ

Northern Exposure

Dexter

Brison Break

Flight of the Conchords

Trailer Park Boys

Und zuletzt

What am I missing? Bitte Kommentare hinterlassen.

P.S.: Die Folgen kriegt man übrigens am einfachsten so.

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Und noch eine Frage zum CD-Kauf

Februar 3, 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Obwohl der Scherz via Twitter schon durchgelutscht worden ist: Vielleicht zu Beginn doch noch der Hinweis auf die Ironie, dass endlich mal wieder eine CD gekauft wird - und alle finden, das sei illegal.

Aber was ich noch zum gestrigen Post hinzufügen wollte: Wenn man sich vorstellt, wie das alles abgelaufen ist, bleibt eine Frage offen.

Bankmitarbeiter kopiert Daten (warum das bei einer Bank möglich ist, bleibt dahingestellt) - Bankmitarbeiter meldet sich bei der deutschen Regierung und offeriert die Daten (ich nehme mal an, per Email und mit ein paar Samples) - und dann: steht es in der Zeitung.

Wie geschickt wäre es von der deutschen Regierung, ab und zu das Gerücht eines solchen CD-Kaufes zu streuen und einigen Steuerbetrügern etwas Angst zu machen? Aber ich vermute, auch das würden einige Leute moralisch äußerst bedenklich finden.

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Wilde Vergleiche - Deutschland und der Datenklau

Februar 2, 2010 · 2 Kommentare

Halten wir uns zunächst den Sachverhalt vor Augen: »Deutschland« bzw. mehreren Bundesländern wird eine CD mit Daten von mutmasslichen Steuerflüchtlingen angeboten, welche für mehrere Millionen Euro erworben werden könnte.

Die Frage: Dürfen diese Daten gekauft werden?

Die beiden polar entgegengesetzten Meinungen vorneweg:

Der Staat hat den Diebstahl nicht in Auftrag gegeben und der Täter ist kein Amtsträger – damit ist die Erhebung der Daten aus staatlicher Sicht völlig unproblematisch. - Kai Ambos, Strafrechtsprofessor

Unrecht darf nicht mit Unrecht bekämpft werden und es kann nicht schon durch die Verhinderung von Unrecht gerechtfertigt werden. […] Dass der Staat sagt, wir setzen auf Diebe, das ist, gelinde gesagt, einfach unschön. - Peter Schaber, Ethikprofessor

Generell wird in den Schweizer Medien der deutsche Staat schnell zum Hehler (der einen Anreiz für Diebstahl schaffe), der Kauf zu einer Aufhebung des Rechtsstaats hochstilisiert.

Dazu einmal ein paar Fragen, um mögliche Vergleiche zu konstruieren:

  1. Wem wurden diese Daten gestohlen? Der Bank oder dem Kunden?
  2. Kann man Daten generell besitzen? Besitze ich meinen Kontostand - also nicht das dadruch repräsentierte Geld, sondern die Zahl, welche angibt, wie viel Geld auf meinem Konto ist?
  3. Kann etwas als gestohlen gelten, was niemand vermisst? (Bisher hat weder ein Bank noch ein Kunde darüber geklagt, dass ihre oder seine Daten gestohlen worden seien.) (Das ist aber wohl etwas spitzfindig.)
  4. Verletzt der deutsche Staat deutsches Recht oder schweizerisches?
  5. Spielt es eine Rolle, dass der deutsche Staat die Daten kauft? Wäre es unproblematisch, die Daten zu verwerten, wenn er die CD einfach zugeschickt bekommen hätte? Wäre es unproblematisch, die Daten zu verwerten, wenn er die Daten gefunden hätte? Oder wenn bei der Transaktion der Dieb verhaftet und nach deutschem Recht verurteilt wird?
  6. Dürfen Ermittler nicht generell mehr, als Menschen dürfen, die dem Recht unterstehen - sofern es darum geht, die Einhaltung des Rechts durchzusetzen? Darf die Polzei nicht beliebig schnell fahren? Darf sie nicht von mir verlangen, dass ich mich ausweise? Oder mich zum Beispiel von einem Ort fernhalten? Eine Waffe tragen? Waren beschlagnahmen? Etc.? Warum nicht also auch Daten kaufen?
  7. Spielt es eine Rolle, dass es um Steuerflüchtlinge geht? Wie wäre es, wenn vertrauliche Informationen zum Aufenthaltsort eines Mörders verkauft würden? Oder Informationen zu Nazivermögen?

Und dann möchte ich einen Vergleich vorschlagen: Angenommen, die beiden in Libyen festgehaltenen Schweizer könnten ausreisen, wenn einige libysche Gesetze verletzt werden, welche wir Schweizer als unrechtmäßig erachten, durch die niemand in seinen Menschenrechten beeinträchtigt wird, für deren Verletzung wir aber einen Mittelsmann mit einer verhältnissmäßig bescheidenen Summe bezahlen. Wäre es richtig, das zu tun?

Vielleicht sollte man sich auch die umgekehrte Perspektive überlegen: Wie vertretbar ist es denn vom Schweizer Staat, während Jahrzehnten Steuerflüchtlinge zu schützen, und nicht nur Steuerflüchtlinge: Gemeine Verbrecher, Völkermörder, Diktatoren. Hat der Schweizer Staat ein Unrechtsbewusstsein diesbezüglich?

(Und noch zur absurden Unterstellung Schabers, man könne so auch Folter legitimieren: Die Mittel-Zweck-Perspektive mag zu dieser Ansicht verleiten. Man kann aber, siehe Punkt 6. oben, eine einfache Sicherung einschalten: So lange das Mittel keine Grundrechte verletzt, ist es legitim.=

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