Die NZZ am Sonntag bezeichnet die Arena in einem differenzierten Artikel heute plakativ als »Parteistammtisch der SVP« und räumt dabei mit einem Mythos auf, der schon seit Jahren zwar von rechter Seite stets wiederholt wird, aber deswegen nicht wahrer wird:

Die SVP kritisiert ständig, dass Radio und Fernsehen der SRG links stünden und die SVP-Positionen nicht genügend beachteten. Die «Arena»-Statistik belegt das Gegenteil: Die SVP erhält mehr Gelegenheit, ihre Argumente am Schweizer Fernsehen vorzubringen, als jede andere Partei.

Das Hauptproblem ist dabei nicht nur die zahlenmäßige Dominanz der SVP, die ihr aufgrund des höchsten Wähleranteils auch zustünde (so argumentiert Ronnie Grob, dessen »Zahlenkontrolle«, mit der er die Wähleranteile 2007 mit den Arena-Auftritten 2009 vergleicht, allerdings gravierende Rechenfehler aufweist: Erstens erwähnt der Artikel auch die Auftritte von Christian Waber und Roger Köppel, welche zwar nicht zur SVP gehören, aber ideologisch ihrer Linie entsprechen, womit die SVP auf 35 Auftritte käme, zweitens müsste man Prozente mit Prozenten vergleichen und würde dann für 29 SVP Auftritte 32% erhalten [bei einem Wähleranteil von knapp 29%]); das Hauptproblem ist vielmehr die Themensetzung. Die NZZ schreibt dazu:

«Dem Klimaproblem hat die <Arena> 2009 keine Sendung gewidmet. Sie bringt lieber Themen, die auf der Agenda der SVP stehen», sagt Nationalrätin Maya Graf. Die SP findet es seltsam, dass die Arbeitslosigkeit in der Schweiz nicht thematisiert wird, während die «Arena» ständig über Ausländerprobleme diskutieren lasse.

Die journalistische Verantwortung (und der service public) des Schweizer Fernsehens würde gerade darin liegen, dass die Themen ausgewogen gewählt werden und relevant sind (die Themensetzung ist eines meiner Lieblingskommentare zum politischen Geschehen in der Schweiz, ich weiß). Spricht man nämlich über Minarette oder über Plakate oder Ausländer, dann muss die SVP prominent vertreten sein, weil sie eine pointierte Meinung dazu geäußert hat – spräche man über das Klimaproblem oder moderne Familienpolitik oder Armut in der Schweiz, kann man die SVP genauso ignorieren, wie sie diese wichtigen Themen ignoriert.

Mein Rat an die anderen Parteien: Nicht mehr hingehen, wenn über SVP-Themen diskutiert wird. Weil schon allein die Diskussion das Thema als bedeutsam ausweist, auch wenn es das nicht ist.

Nachtrag: Im Tagi wird Reto Brennwald heute interviewt und windet sich mit nichtssagenden Aussagen. Obwohl er bemängelt, die NZZ habe keine Quelle für die Aussage, er sei ein Anhänger Christoph Blochers, mag er sie nicht dementieren – was so viel heißt, wie dass die Aussage wahr ist.